22.11.06

Reklame sticht Zeitung

Doris Knecht | 11/06 | Arbeit & Wirtschaft | Beschwerden | Kurier-Kolumne

Ärger  mit der Post hat dieser Tage praktisch ein jeder. Am Postamt  wartet man ewig (mit etwas Spezialglück am falschen Schalter), daheim geht das Brieffach über, oder das Brieffach ist kaputt, oder im Brieffach liegt kein Paketabholaufforderungsschein, was man aber erst bemerkt, wenn man von dieser oder jener Firma kontaktiert und informiert wird, dass das verschickte Paket wegen fortgesetzter Nichtabholung soeben retour gekommen sei: Das passiert mir momentan immer wieder gern.
Dem Leser H. passiert etwas anderes.  Denn Montags erhält der Herr H. immer wieder seinen abonnierten KURIER nicht. Auf dem KURIER steht sein Name, und wenn man eine Tageszeitung abonniert, bezahlt man vor allem auch dafür, dass man diese Tageszeitung, so man nicht im entlegensten Auslande lebt, am Tag ihres Erscheinens in Händen hält. Der Montags-KURIER des Herrn H., der in Österreich lebt und liest und der, wie ich, offenbar in einem Haus wohnt, das Zeitungszustellern aus Angst vor Einbrechern den Zutritt verwehrt,  erreicht das Brieffach seines Abonennten   aber sehr häufig erst am Dienstag. Eines Tages wollte Leser H. dann einmal wissen, warum. Er reklamierte.
Da wurde ihm von der Post wörtlich beschieden, dass die Tageszeitungszustell-Verzögerung aus dem an „Montagen übergroßen Zustellaufkommen“ resultiere, was natürlich folgendes bedeutet: Steht die Post  vor der Wahl, entweder  eine namentlich adressierte Tageszeitung oder unadressiertes Werbematerial nicht oder ein ander Mal zuzustellen, so entscheidet sie sich für die Nicht-Zustellung der Tageszeitung.
So beeinträchtigt die Post mit absolut fragwürdigen  Zustellprioritäten die Lebensqualität von Zeitungslesern.  Man möchte fast sagen: skandalös.
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