Doris Knecht
| 11/06
| Arbeit & Wirtschaft
| Kurier-Kolumne
Jetzt wissen wirs: Europa habe, sagt der Vorsitzende des UNO-Büros für Drogen und Kriminalität, Antonio Maria Costa, ein Kokainproblem. Weltweit sei der Kokainkonsum rückläufig oder stabil, in Europa nimmt er zu. Ist halt so eine schicke Droge, dieses Kokain.
Ist eine Idiotendroge, dieses Kokain. Ist, muss man mal sagen, eine der dümmsten, gefährlichsten und destruktivsten Drogen. Trotzdem: Verboten zwar, aber sozial wenig geächtet.
Im Unterschied zu, jetzt nur zum Beispiel, Heroin. Böses, böses, BÖSES Heroin! Macht die jungen Menschen total kaputt! Man muss sich nur mal das soziale Elend der Fixer-Wracks am
Karlsplatz ansehen!
Kokain dagegen macht schnell, selbstbewußt, aggressiv, zielstrebig und unermüdlich: Qualitäten, mit denen Fixer, Kiffer und Rotweinisten nicht prahlen können, die aber im modernen Erwerbsleben ungemein gefragt sind.
Regelmäßiger Kokain-Konsum begünstigt nur Herzinfarkt, Langzeit-Herz- und Lungenschäden, zentralnervöse Störungen, kann nur zu Atemlähmung und zur Durchlöcherung der Nasenscheidewand führen. Langzeit-Kokain-Gebrauch löst nur Depressionen, Halluzinationen und Verfolgungswahn aus, man verliert nur, wie das Beispiel Fendrich gerade zeigt, völlig das Gefühl für die ganz banale, Mid-Tempo-Normalität.
Auch das ist soziales Elend. Aber es geht nicht nur um das Elend der Kokainisten: Es geht auch um das Elend der Bevölkerung kokainproduzierender Länder, denn wer Kokain kauft, finanziert damit, wie Costa betont, „Drogenhändler, Rebellen und Terroristen. Denken Sie daran, wenn Sie das nächste Mal glauben, dass eine Line Koks trendy und harmlos ist.“ Die drei Prozent der Wiener Bevölkerung, die laut IFES-Studie Kokain-Erfahrungen haben, denken lieber nicht daran.