Doris Knecht
| 11/06
| Frauen / Männer
| Kurier-Kolumne
Viel Unglück musste geschehen, aber allmählich scheint die Gesellschaft für das Leid misshandelter und bedrohter Frauen sensibilisiert zu sein: Sie greift jetzt ein und schafft weitere Möglichkeit en, rechtzeitig eingreifen zu können. Unter Justizministerin Gastinger wurde das Anti-Stalking-Gesetz verabschiedet, ein schrecklich notwendiges Instrument: Denn schon an dritter Stelle – nach sexueller und physischer Gewalt – kommen beim Frauennotruf Hilferufe von Frauen, die Bedrohungen ausgesetzt sind.
Diese Bedrohung ist furchtbar real: Auch heuer wurden wieder mehrere Frauen von ihren Ehe- und Ex-Ehemännern ermordet. In der KURIER-Redaktion brennt immer eine Kerze neben dem Foto jener beliebten Mitarbeiterin, die im Sommer ermordet wurde: Ihre zwei Kinder
waren dabei, als ihr Vater ihre Mutter umbrachte. (Den KURIER-Lesern, die großzügigst spendeten, sei hier noch einmal gedankt.)
Kann die Gesellschaft solche grauenhaften Taten verhindern? Jetzt besser als früher: Früher musste erst jemand verletzt oder getötet werden, bevor die Exekutive überhaupt einschritt. Seit dem Anti-Stalking-Gesetz hat schon die Drohung selbst Konsequenzen für den Bedroher. Kein Mann, der einer Frau auflauert, um sie einzuschüchtern, der per SMS mit Mord droht oder am Telefon mit dem Entführen der Kinder, kann sich jetzt mehr in Sicherheit wiegen. Das macht das Leben vieler Frauen etwas sicherer.
Aber immer noch gibt es mitten unter uns Frauen ohne Schutz: Die Zwangsprostitutierten in illegalen Bordellen, verschleppt, misshandelt, missbraucht, gefangen. Und gekauft von Freiern, denen völlig egal ist, auf welcher Brutalität ihr Konsum-Sex basiert. Auch diese Frauen brauchen dringend unseren Schutz.