Doris Knecht
| 11/06
| Beschwerden
| Kurier-Kolumne
| Schuld und Sühne
Einmal davon sprechen, dass man die stärkere Tabuisierung des Rauchens begrüßen würde, weil man es, nun ja, vorzöge, lieber nicht mehr nach Fremdrauch zu stinken, wird man gleich von Eigenverantwortungsfetischsten angefallen.
Weil, um Himmels Willen! Mit dem Gutheißen so einer Idee protegiere man doch die Beschneidung der Freiheit des Menschen, sich nach eigenem Gutdünken zu runinieren! Geselle sich also jetzt ebenfalls zu den gemeinen Selbstverantwortungsräubern! Vor allem auch zu den Totalregulierern!, die durch den Brutaleinsatz von Vorschriften, Verboten und Gesetzen das naturgegebene menschliche Gespür für gut und böse, für richtig und falsch, für vernünftig und
dumm zerstören! Und den Menschen damit die Fähigkeit rauben, sich überhaupt als verantwortlicher Teil eines größeren sozialen ganzen, also: der Gesellschaft zu begreifen!
Jaja. Ok. Aber ich bin Realistin und kann schon lange Zeitung lesen, und darüber ist mir der Glaube ans Gute und Vernünftige im Menschen weitgehend abhanden gekommen. Und ich bezweifle halt, dass der Mensch ausgerechnet durch das fortgesetzte Tolerieren des Rauchens zu einem Verantwortungsbewußtsein zurückfindet; für sich oder für andere.
Beklagenswert am Rauchen ist zudem nicht der Schaden, den man sich damit selber zufügt, sondern, wie man andere damit belästigt und beschädigt. Die Kinder im eigenen Haushalt zum Beispiel. Die, anders als Lokalbesucher, nicht die Freiheit haben zu wählen, ob sie lieber mit oder ohne Zigarettenrauch leben.
Stimmt, man muss nicht, wie mir das ein Leser vorwirft, zum militanten Nichtraucher werden, sobald man selber nicht mehr raucht. Aber man darf. Weil es weniger dumm ist. Und gegens Gescheiterwerden ist wohl nichts einzuwenden.