19.11.06

Über die Selbstverantwortung

Doris Knecht | 11/06 | Beschwerden | Kurier-Kolumne | Schuld und Sühne

Einmal davon sprechen, dass man die stärkere Tabuisierung des Rauchens begrüßen würde,  weil man es, nun ja, vorzöge, lieber nicht mehr nach Fremdrauch zu stinken, wird man gleich von Eigenverantwortungsfetischsten angefallen.
Weil, um Himmels Willen! Mit  dem Gutheißen so einer Idee protegiere man doch die Beschneidung der Freiheit des Menschen, sich nach eigenem Gutdünken zu runinieren! Geselle sich also jetzt  ebenfalls zu den gemeinen Selbstverantwortungsräubern! Vor allem auch  zu den Totalregulierern!, die  durch  den Brutaleinsatz von Vorschriften, Verboten und Gesetzen das naturgegebene menschliche Gespür für gut und böse, für richtig und falsch, für  vernünftig und  dumm zerstören! Und den Menschen damit die Fähigkeit rauben, sich überhaupt als verantwortlicher Teil eines größeren sozialen ganzen, also: der Gesellschaft  zu begreifen!
Jaja. Ok. Aber ich bin Realistin und kann schon lange Zeitung lesen, und darüber ist  mir der Glaube ans Gute und  Vernünftige im Menschen weitgehend abhanden gekommen. Und ich bezweifle halt, dass der Mensch ausgerechnet durch das fortgesetzte Tolerieren des Rauchens zu einem Verantwortungsbewußtsein zurückfindet; für sich oder für andere.
Beklagenswert am Rauchen ist zudem nicht der Schaden, den man sich damit selber zufügt, sondern, wie man andere damit belästigt und beschädigt. Die Kinder  im eigenen Haushalt zum Beispiel. Die, anders als Lokalbesucher,  nicht die Freiheit haben zu wählen, ob sie lieber mit oder ohne Zigarettenrauch leben.
Stimmt,  man muss nicht, wie mir das ein Leser vorwirft, zum militanten Nichtraucher werden, sobald man selber nicht mehr raucht. Aber man darf. Weil es weniger dumm ist. Und gegens Gescheiterwerden ist wohl  nichts einzuwenden.
« Noch elf Stunden bis 521 | Main | TFTFTFTFTF »
» 20.11.06 16:36
greta

Kommt dann noch dazu, liebe Selbstverantwortliche, dass die Selbstverantwortung subito aufhört, wenn der Krebs zuschlägt. Dann bezahlen die Krankenkassen und damit wieder auch die anderen. Selbstverantwortlich rauchen würde dann heissen, gegebenenfalls für die Konsequenzen selber aufzukommen.

» 21.11.06 15:39
Talia

Es ist ja auch "interessant", dass die Raucher meist von Intoleranz reden, wo die unfreiwilligen Passivrauchenden Rücksichtslosigkeit empfinden.

Ich sage da nur: Sucht verändert den Sinn für Gerechtigkeit.

» 26.11.06 16:51
ana

aber autofahren findet ihr sozial, oder?

» 01.12.06 21:11
greta

nein, autofahren macht lärm und stinkt und ist unnötig. meistens. der grösste teil der fahrten ist für bis zu 3 km, das kann man locker jederzeit zu fuss gehen. I don't need no sports car - I can walk around the block anytime. sagte schon bob dylan vor 20, 30 jahren...

» 04.12.06 00:48
Norbert

Auch dafür ergriffenen Dank von einem leider viel zu oft hustenden Nichtraucher, der all diese wirklich megasaublöden Raucherbemerkungen wie "Mich stören ja Nichtraucher auch nicht" wirklich sowas von satt hat.
Und den ganzen Selbstverantwortungsscheiß können sich die Tschickeranten sowieso hinten reinschieben, denn sie haben jetzt lang genug Zeit gehabt, freiwillige Selbstbeschränkung zu üben. Und wo ist die?
Schutz den Nichtrauchern!

kommentieren
(If you haven't left a comment here before, you may need to be approved by the site owner before your comment will appear. Until then, it won't appear on the entry. Thanks for waiting.)













« Noch elf Stunden bis 521 | Main | TFTFTFTFTF »



barcelona.unlike
Never get lost in Barcelona