13.12.06

Alle mitmachen!

Doris Knecht | 12/06 | Arbeit & Wirtschaft | Kinder und andere Mitbewohner | Kurier-Kolumne | Unter Spießern

Heuer verzichten 80 Prozent der britischen Unternehmen auf Weihnachtsfeiern, 74 Prozent verbieten Weihnachtsschmuck: muslimische Mitarbeiter sollen nicht mit christlichen Ritualen  vergrätzt werden.  Dass man aus Rücksicht auf die Gefühle der muslimischen oder jüdischen Kollegen Weihnachten auslässt: das ist hier eher unvorstellbar.
  Dabei ist Idee, sich eine gewisse Sensibilität im Umgang mit den Gepflogenheiten anderer Religionen anzueignen, an sich nicht übel. Allerdings ist die Abschaffung der  Weihnachtsfeiern ein suboptimales Instrument zur Überwindung religiöser und kultureller Differenzen, denn eigentlich ließe sich die Einladung zum Mitfeiern eines Festes ja schon als etwas Verbindendes verstehen. Denn im Allgemeinen spielt die christliche Liturgie bei Betriebsfeiern eher keine Rolle: Da wird gegessen, getrunken,  gelacht, getanzt undüber Kollegen getratscht: das darf  jeder, Religion egal.
  Wenn man also wahrhaft sensibel sein wollte, erschiene mir ein anderer christlicher  Brauch sehr viel hinterfragenswerter, nämlich der, zu Weihnachten alle Straßen und Geschäfte der westlichen Welt in einen globalsierten Einheitskaufpark zu verwandeln, überall das gleiche Lichterwahn, der gleiche Kaufzwang, die gleichen Jingle-Bells–Attacken, die gleichen Menschenmassen: jedes Jahr greller, lauter, mehr.Das ist ja schon für Menschen, den Weihnachten was bedeutet, eine Zumutung. Geschweige denn für alle anderen.
Meine Familie feiert Weihnachten, hat aber vor Jahren mit der Schenkerei aufgehört (ausgenommen die eigenen Kinder) und es nie bereut. Deshalb bliebe mir der Adventstress eigentlich erspart, bloß: Jeder muss durch diesen Wahnsinn durch. Auch wenn man  nur Brot und Milch braucht.
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» 13.12.06 22:23
dee

Apropos Weihnachten...in meiner Weihnachtsmail vom Vindobona steht so ganz nebenbei, dass sie ab Weihnachten zusperren. Jetzt? So kurz nach der Renovierung?
Ich habe auch nichts darüber in den Nachrichten gehört oder gelesen.
Entzückend.

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