21.12.06

An die Arbeit, Frauen

Doris Knecht | 12/06 | Arbeit & Wirtschaft | Frauen / Männer | Kinder und andere Mitbewohner

Gut, die Sache mit der selektiven  Mutterverblödung in meiner gestrigen Kolumne war ein bisschen flapsig formuliert, denn, aufgepasst, es gibt viele blitzgescheite, geistig hellwache Hausfrauen. Zu denen gehörte ich nicht, denn von der Zeit, in der ich  daheim bei den Kindern war, profitieren die Wohnungshygiene,  meine Kochkünste (ich sagte ja: selektiv)  und meine Sauerstoffsättigung, aber meine geistige Fitness nicht.   Gilt nicht für alle,  klar. Und es mag auch, wie Ernst M. schreibt,  anspruchsvoller sein, ein „erfolgreiches kleines Unternehmen“ namens Familie zu führen, als Waren in eine Supermarktkassa zu scannen. Allerdings übersieht Herr M., wer an den Supermarktkassen sitzt und warum: häufig sind das nämlich Mütter, die  Teilzeit arbeiten, weil sie sich zusätzlich um ihre Kinder kümmern müssen. Als Alleinerzieherinnen oder weil die Väter dem Vollerwerb nachgehen, weil das dem Familienbudget besser bekommt: Frauen verdienen, wie der neue Einkommensbericht gerade zeigt, im Durchschnitt 40 Prozent weniger als Männer. Weil sie zu lange zu Hause bei den Kindern bleiben und danach sehr oft keine Arbeit mehr finden, die ihrer Ausbildung oder Qualifikation entspricht. Oder Teilzeit.
Gewiss gibt es Frauen, die sich, wie Leserin Waltraud G. schreibt, von der „wunderschönen Aufgabe, den Kindern zuzusehen, wie sie heranwachsen“ ausreichend gefordert fühlen, und eine konservative Familienpolitik unterstützt  das  gern mit drei Jahren Kindergeld. Und verstärkt damit aktiv Einkommensunterschiede.
Okay, es gibt  kluge Hausfrauen – aber es ist nicht klug für die Frauen, lange zu Hause zu bleiben. Langfristig verbessern Frauen  ihre Chancen nur durch eine starke Position am Arbeitsmarkt. Besonders Mütter.
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