17.12.06

Arm, aber blöd

Doris Knecht | 12/06 | Kinder und andere Mitbewohner | Kurier-Kolumne | Prost Mahlzeit

Kaloriat: Da hat sich wieder jemand, offenbar bei der Frankfurter Allgemeinen Zeitung, ein schönes Wort ausgedacht. Bezeichnen tut es eine übergewichtige Unterschicht, die zusehends zum gesundheitspolitischen Problem wird. Wie das deutsche Robert-Koch-Institut in einer Studie ermittelte, seien Kinder armer, ungebildeter Eltern drei mal so oft dick oder tatsächlich adipös, also fettsüchtig, also krank. 
  Und zwar, weil sich ärmere Leute, das meint jedenfalls die FAZ,  aus dem Verzehr von Chips und Burgern ein schnelles Glücksgefühl zapften, denn es

sei den Humanoiden aus kargen Zeiten einprogrammiert, dass Essen Glück bedeute. Womit insinuiert wird, dass ärmere Leute nicht nur arm, sondern auch blöd sind, weil nicht in der Lage, die geänderten Glücksparameter von ihrem Kopf an ihren Bauch weiterzugeben.
  Die einen halten, die anderen verkaufen die Leute für blöd. Die Burger-Kette McDonalds richtete nun in sieben US-Filialen Fitness-Ecken für Kinder ein, um davon abzulenken, dass der Konzern mit seinen restlichen 30.000  Filialen weltweit entscheidend zur Dekonstruktion von Esskultur beigetragen hat: Nahrung bestellen, statt kochen, Sättigen statt Ernähren,  fett  und schwer statt ausgewogen,  für sich essen statt gemeinsam. Und das lässt sich mit  Fruchtüten, Salatschüsserln und sieben Fitnessecken nicht reparieren. Repariert werden muss das Bewusstsein der Menschen darüber, was gut und gesund ist, dass sie nichts sparen, sondern  sich und ihre Kinder krank machen, wenn sie die Ernährung  Burgerketten, Pizzerien und Fertiggerichtefirmen überlassen. Wobei Österreich gerade Vernunft bewies: Der Fleischkonsum hat um drei Prozent ab-, der Gemüseverzehr stark zugenommen. Wir sind gar nicht so blöd.

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