10.12.06

Außer Autofahren

Doris Knecht | 12/06 | Frauen / Männer | Kinder und andere Mitbewohner | Kurier-Kolumne | Unter Spießern

"Die Menschen, die mit dir leben, die dich lieben: Das ist deine Familie.“ Das sagt der 19jährige Cooper, der mit zwei Müttern aufgewachsen ist; einem lesbischen Paar, das sich seinen Kinderwunsch mit Hilfe einer Samenspende erfüllt hat. Meistens sendet MTV nur noch Füllmaterial  zwischen Klingelton-Reklame, aber manchmal ist der Musiksender so gut, dass man gefesselt davor sitzt:  wie am Donnerstag, am Abend des MTV-„Gay Day“, an dem  sich alles um Homosexualität drehte.
 Die Doku-Serie „True Life“ zeigte das Leben von Kindern gleichgeschlechtlicher Paare: Drei normale amerikanische Teenager, in normalen Teenager-Situationen: Die 17jährige Aidan, Tochter eines lesbischen Paares, braucht ein Kleid für ihren Abschlussball. Die 18jährige Hope, als Baby von ihren schwulen Vätern adoptiert, muss sich für ein College entscheiden. Nur Cooper hat Ungewöhnliches vor sich: er nimmt Kontakt zu seinem leiblichen Vater auf, der bei der Samenspende eingewilligt hatte, seinen Nachwuchs zu treffen, falls dieser das will. Cooper will, obwohl ihm, wie er sagt, beim Aufwachsen mit zwei Müttern eigentlich nichts gefehlt habe; außer dass es vermutlich mehr Spass gemacht hätte, das Autofahren von einem Vater zu lernen, als von zwei temposkeptischen Müttern.
 Es sind fröhliche, eng verbundene Familien, die MTV zeigte: mit Eltern, die ihre Wunschkinder mit   übersprudelnder Liebe umsorgen; mit glücklichen, gesunden Kindern, die an ihrer Besonderheit gewachsen sind.  Am Ende, als Hope auf den College-Campus zieht, gehen ihre Eltern von der Kamera weg zu ihrem Auto, ein Vater legt  den Arm um den anderen und flüstert: „Das haben wir gut gemacht.“ Man schaut ihnen nach und denkt sich: Ja; besser geht’s kaum.
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