7.12.06

Dann halt heimlich

Doris Knecht | 12/06 | Arbeit & Wirtschaft | Kurier-Kolumne | Stadt/Land

Die Frage ist, ob es einen Sinn hat, sich dagegen zu stemmen. Und wenn ja, welchen. Und ob es, da der Druck von Unternehmern und Verbrauchern zweifellos zunehmen wird, nicht besser wäre, sich um optimale Rahmenbedingungen für die Mitarbeiter zu kümmern, anstatt so zu tun, als ginge das Österreich gar nichts an.
 Mitte November, rechtzeitig zum Weihnachtsgeschäft, fiel in Berlin der  Ladenschluss. An Werktagen gilt: Wer offen halten will, hält offen; wann er will, so lange er will. An Sonntagen gelten die alten Regelungen, zehn  Sonntage im Jahr ausgenommen.  Der Rest von Deutschland folgt.
 Österreich folgt auch, aber heimlich. In Salzburg zum Beispiel werden, wie die SN berichten, für zahlungswillige Touristen auch Sonntags die Geschäfte aufgesperrt: Die Rezeptionen der vier- bis fünf-Sterne-Hotels führen  Listen von Läden, die willig sind, es mit den  gesetzlichen Öffnungszeiten nicht so genau zu nehmen. In Wien wird offen rebelliert: Einige Geschäfte in der Innenstadt nehmen Strafen in Kauf und verkaufen an den Adventsonntagen. Offenbar rentiert sichs. In Ottakring   kann man tief in der Nacht frisches, warmes Brot kaufen; man muss nur wissen, wo.
 Man darf die Vorbehalte gegen die totale Liberalisierung nicht ignorieren. Jetzt versprechen die  Unternehmer, sie würden ihre Läden sonntags nur als Familienbetriebe führen; nie-!, nie-!, niemals würden sie Angestellte zwingen, am Sonntag im Laden statt bei der Familie zu sein: Aber glauben wir noch ans Christkind? Eben.
 Andererseits New York: Da lebt die Nacht, auch weil Einwandererfamilien ihre Drugstores offenhalten, denn wer geschlossen hat, verdient nicht. Die New Yorker schätzen das.  Die Berliner jetzt ebenfalls. Die Ottakringer auch; heimlich halt.
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