19.12.06

Glücklich in der Aida

Doris Knecht | 12/06 | Kinder und andere Mitbewohner | Kurier-Kolumne | Schuld und Sühne

Kürzlich saß ich mit den Kindern in einer Aida-Konditorei und war dort glücklich. Erstens wurden die Kinder von der Serviererin nett und höflich behandelt, worauf sich auch die Kinder nett und höflich benahmen, also weder den Kakao quer über den Tisch schütteten, noch herumschrieen. (Ich bemerke übrigens einen Zusammenhang zwischen nervösen Kellnern und nervösen Kindern; je gestresster der Ober über die Präsenz Minderjähriger, desto höher die Kakaoüberflutungsgefahr.)
Zweitens ist die Aida wie immer merkwürdig schön, und zwar obwohl dort offenbar ein wenig erneuert und aktualisiert wurde, zum Beispiel sind die Schürzen der Kellnerinnen und billig, das gilt für das Design genauso wie für die Kampagnen; und vor allem das Grün.
ein bisschen moderner geschnitten und nicht mehr aus Polyester (oder waren sie immer schon aus Baumwolle?, nein, glaub ich nicht), und die Stühle sind neu und bequem, und ich meine, am Schriftzug wurde auch ganz vorsichtig was gemacht. Aber es hängen dort nach wie vor original 1950er-Jahre Chrom-Kugellampen, der Boden ist schön schäbig, das Rosa unverändert altmodisch, die Vitrine schaut aus wie immer, und das führt dazu, dass für das Publikum dasselbe gilt: Schaut aus wie immer, charmant gemischt, jung und alt, gut situiert und weniger wohlhabend, also insgesamt überaus demokratisch.
Und obwohl ich sonst kein Retro-Heini bin, gefällt mir die Art, wie die Aida-Filialen so überarbeitet wurden, dass ich’s kaum bemerke. Denn kürzlich war ich mal wieder bei Palmers und nicht glücklich, denn ich finde – auch wenn die Bilanz mir möglicherweise widerspricht –, dass das Palmers-Redesign die Marke  beschädigt hat. Was an Palmers früher merkwürdig schön war, ist jetzt verwechselbar: Das Design, die Kampagnen; und vor allem das Grün.
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