Doris Knecht
| 12/06
| Arbeit & Wirtschaft
| Frauen / Männer
| Kinder und andere Mitbewohner
| Kurier-Kolumne
Das Kindergeld, so wie es ist, hält die Frauen daheim, das ist mittlerweile Konsens. Natürlich finden das nicht alle schlecht. Frauen, die zu Hause sind, belasten nicht den Arbeitsmarkt. Frauen, die zu Hause sind, ermöglichen es einzelnen Bundesländern, ihre Kinderbetreuungsangebote auf 50er-Jahre-Niveau zu halten. Frauen, die zu Hause sind, ermöglichen es ihren Männern, sich um Wichtigeres zu kümmern als den Abwasch.
Aber Frauen, die zu Hause bei den Kindern bleiben, machen sich halt auch vom erwerbstätigen Partner abhängig (bis auf jene Sparkünstlerinnen, denen es tatsächlich gelingt, mit 436 Euro Kindergeld Unterkunft und Familie zu erhalten). Sie verlieren den Anschluss an ihre Arbeit und bleiben in ihrer Qualifikation hinter ihren Kollegen zurück. Sie verbringen alle Tage mit kleinen Kindern und anderen Frauen, die alle
Tage mit kleinen Kindern verbringen, was, glauben Sie’s mir, ich hab’s ausprobiert, zu selektiver Verblödung führt. Natürlich finden das nicht alle schlecht.
Aber eigentlich gibt es längst einen gesellschaftlichen Kontext darüber, dass Frauen ökonomisch unabhängig sein sollten, was sich vor allem, wenn geschieden wird (und das wird die Hälfte der österreichischen Ehen) als vorteilhaft erweist. Und eigentlich sind wir uns einig, dass Männer in Haushalt und Kindererziehung partizipieren sollten, möglichst halbehalbe. Denn eigentlich sind die Fünfzigerjahre seit fast 50 Jahren vorbei. Natürlich finden das nicht alle gut.
Es ist anstrengend und schön, die erste Zeit ganz dem neuen Kind zu widmen. Und sicher gut fürs Kind. Aber erstens müssen das endlich auch die Väter erfahren; alle. Dann wäre es zweitens bald Konsens, dass ein Jahr Berufskarenz genug ist. Wirklich genug.