Doris Knecht
| 12/06
| Beschwerden
| Kinder und andere Mitbewohner
| Kurier-Kolumne
Ja, es kommt vor, dass ich mich mit sturer Besserwisserei zur Idiotin mache, indem ich behaupte, ich hätte das und das gesagt, geschrieben oder nicht bestellt, worauf die Gegenseite mir prompt das Gegenteil beweist. Peinlich; und zur Festigung meiner Rolle als charakterfeste Vertrauensperson wenig hilfreich.
Aber diesmal habe ich alles richtig gemacht. Ich habe rechtzeitig drei Plätze 1. Klasse mit Tisch im Autoreisezug von Wien nach Feldkirch reserviert. (Es gibt Gründe für die 1. Klasse, z. B. eine defekte Klimaanlage im 2.-Klasse-Kinderspielwagen letzten Juli auf gleicher Strecke; Außentemperatur: 34 Grad; Fluchtmöglichkeit mit Kindern und Gepäck: null; Hilfsangebote
des Personals: welches Personal?) Ich erklärte, dass ich mit zwei Kindern reise, deshalb nur ein Ticket brauche, und dass ich über eine ÖBB-Family-Card verfüge. Ich ließ mir alles nochmal bestätigen und zahlte dann mit Kreditkarte. Als ich mit Kindern und Gepäck den Zug bestieg, stellte ich fest, dass man uns in einem Konferenzwagen platziert hatte.
Ich weiß, dass mein Böse-Hexe-Faktor nie so hoch ist wie in jenen Momenten, in denen ich mit schneidender Stimme und ohne Erfolg angemessenere Plätze fordere. Aber wer ist schuld? Die Bahn, die sich strikt an Murphys Gesetz hält, und selbst dann, wenn ab-so-lut unmöglich ist, dass etwas schiefgeht, doch eine Möglichkeit dafür findet. Ein Konferenzwagen! Himmel!
Weil aber nur 1 Geschäftsreisender und 2 andere Familien an den Konferenztischen saßen, war die Fahrt recht angenehm. Lange dachte ich darüber nach, warum die ÖBB in der 1. Klasse der Autoreisezüge für die wenigen Geschäftsreisenden viele Business- und Konferenzabteile und für die vielen Familien nichts bereitstellen; aber es fiel mir nicht ein. Da ließ ich es sein.