Doris Knecht
| 12/06
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Meine Verwinterung schreitet fort. Weil Sonntag ist, habe ich mit den Kindern Kekse gebacken (harte Sache, immer noch, und das bezieht sich nicht auf die Kekse). Rindfleisch in Rotwein und Knoblauch geschmort, für Montag, wenn die Horvaths und die Breusses nach dem Kindergarten kommen, dazu, thanks to „Babette´s“-Chefin Nathalie Pernstich und ihrem suprigen neuen Kochbuch „Schummelküche“ (avbuch), eine pipifeine Angeber-Hühnerleber-Paté, nur so als Vorspeise. Genauer: Nur so, mit etwas Weißbrot, als Nachmittagshappen zu den selbst eingelegten Balkontomaten, für die zwei Stunden, in denen die Eltern sich fürs richtige Essen warmmachen, während die Kinder... Ich möchte noch gar nicht daran denken, was die Kinder wieder vorzeigen weden. Der Breuss-Bub geht gerade durch eine ziemlich monomanische Epoche, eins meiner Kinder regrediert bei jedem Widerstand zum Schluchz- Baby: die Werdarfwas- und Wermitwem- und WeristderBestimmer-Agressionen bergen für das Publikum ein ähnliches Begeisterungspotential wie die Koalitionsverhandlungen. Das ist es, was mit Speisen und Fürs sonntägliche Familienessen bastle ich dann noch ein paar Ravioli mit
Getränken so gut wie möglich abgefedert werden muss: Gings auch ein bisschen leiser, Kinder, wir essen gerade. Wenn ihr dann die Tür zumachen könntet... danke.
Kürbisfülle, und ich gebe zu, dass ich trotz bester Vorsätze nicht mehr die Nerven habe, die Kinder am Nudelproduktionsprozess teilhaben zu lassen, obwohl es für den Respekt vorm Nahrungsmittel verrückt wichtig wäre. (Hätten sie es selbst gemacht, hätten sie es vielleicht auch gegessen. So: Wää, mag ich nicht.) Stattdessen vor dem dem versprochenen Jim-Knopf-Video, Version Augsburger Puppenbühne, und das ist diese Woche ihr einziger Bildschirm-Konsum. Denn wir haben mit dem Kinderfernsehen aufgehört: ganz aufgehört, bis auf einen Film am Wochenende, und damit prahl ich noch lieber herum als mit so nebenbei hingeschlenzten Hühnerleberpatés. Ach, so ein Patéchen, das macht sich doch wie von selbst, aber Kinder dem Fernsehen zu entfremden, das ist Brutalität und Elternverschleiß: Brettspiele, Kartenspiele, Teigschlachten, Vorlesen; alte Kulturtechniken aus dem prämassenmedialen Zeitalter. Funktionieren aber.
Aber, Moment: Einen Ausreißer gab es, denn Oma war aus der Provinz da, also blieben die Kinder zur Erbauung derselben dem Kindergarten fern, die arme Frau sieht die Kinder ja so selten. Mutter ging, während die Kinder glücklich mit Oma spielten und eine Märchenkassette hörten, zur Arbeit, oder jedenfalls bis runter zu ihrem Rad, wo ihr einfiel, was sie vergessen hatte, also wieder hoch, und ungeachtet der Tatsache, dass inzwischen nur drei Minuten vergangen waren, glotzen die Kinder bereits wie eine besonders dumme Tierart in den Kinderkanal. Oma klappte gerade das Bügelbrett auf. Oma schätzt die Innovationen am Kulturtechniksektor nämlich sehr.