8.12.06

Oder schlafen gehen

Doris Knecht | 12/06 | Kunst & Kultur | Kurier-Kolumne | Unter Spießern

Der „Club 2“ war, wer das Alter hat, sich zu erinnern, eine ORF-Diskussionssendung, die ihre besten Zeiten in einer Epoche hatte, als es noch kein Privatfernsehen gab. Das, und der Umstand, dass die junge Nina Hagen  im „Club 2“  einmal vorgezeigt hat, wie man masturbiert, führt bis heute dazu, dass der selige „Club 2“ gottgleiche Verehrung erfährt.  Der „Club 2“! Das war noch was.
 Tatsächlich war der „Club 2“, und ich hab das Alter, mich zu erinnern, in fünf von zehn Fällen so fad, dass einem die Füße einschliefen, was natürlich immer noch eine Spitzenquote ist,  im Vergleich zu „Offen  gesagt“, bei dem einem während elf von zehn Sendungen die Füße einschlafen. Und anderes. Das ist der eine Grund, wieso sich so viele Menschen an kein einziges „Offen gesagt“, aber an einige „Club 2“-Sendungen erinnern können. Der andere Grund ist, dass sie damals schlicht keine Möglichkeit hatten, umzuschalten. Es gab nichts anderes. Man konnte „Club 2“ schauen oder schlafen gehen.
 Aber die anhaltende, ja, anschwellende Glorifizierung des „Club 2“ hat beim ORF ein Diskussionstrauma ausgelöst, das nun, wie der KURIER berichtete, durch Reanimation kuriert werden soll. In profil  sagte der neue Informationschef Elmar Oberhauser, wenn es nach ihm gehe, werde der neue „Club 2“ dem alten völlig nachempfunden.
 Bis auf die Rauchschwaden, nehme ich einmal an. Aber: Schönes Bar-Licht, schöne Lümmel-Ledersofas und ein schönes Open End machen noch keine schöne Diskussion. Auf die Gäste kommt es, und ob die über etwas wirklich Spannendes reden sollen. Oder ob auf den Sofas, wie in „Offen gesagt“, wieder hauptsächlich Parteifunktionäre hocken, die Parteisprechblasen füllen: Dann ist der „Club 2“ bald für immer tot.
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