Doris Knecht
| 12/06
| Beschwerden
| Kinder und andere Mitbewohner
| Kunst & Kultur
| Kurier-Kolumne
| Stadt/Land
Nicht alle Anrainer waren prinzipiell dagegen, als bekannt wurde, die Wiener Sängerknaben planten einen eigenen Konzertsaal im Augarten. Das Parkplatzproblem, ja: aber was man von dem Projekt in Zeitungen sah, wirkte zumindest architektonisch interessant. Zudem liegt der Augartenspitz, Ecke Castellezgasse/Obere Augartenstraße, praktisch brach: aus den oberen Etagen der Anliegerhäuser sieht man Parkplätze, Gestrüpp, einen Wassertank. Von unten nicht: Parkbesuchern ist der Spitz verschlossen.
Ein 430-Plätze-Saal hätte also auch eine Öffnung des Spitzes für alle bringen können: der ließe sich ja auch für anderes nutzen, als nur für Sängerknaben-Konzerte.
Einige der Anrainer gingen also letzte Woche offenen Herzens
zu einem Projekt-Info-Abend der Sängerknaben. Sie kehrten mit fest verriegelten Herzen heim.
Sie hatten erfahren, dass Musikerziehung für Kinder wichtig sei; gut.Dass der Bau keine ökologische Belastung darstelle; gut. Und dass die Sängerknaben überhaupt kein Interesse daran haben, die Menschen aus dem Viertel in ihr kulturelles Leben einzubeziehen. Der Saal soll Touristenbusse anlocken, keine Leopoldstädter und Parkbesucher.
Die Anrainer sind frustriert. Sie haben in den vergangenen Jahren einen Sportplatz verhindert und einen Datenspeicher im Flakturm, aber die Frage, wem der Augarten gehört, bleibt ungeklärt: den tausenden täglichen Parkbesuchern? Oder einigen wenigen, die sich Stück für Stück davon ab- und damit den anderen Besuchern irreversibel wegschneiden wollen?
Für den Augarten zuständig ist der Bund, aber rundherum wuchert die Stadt, für die der Park Durchatmen, Treffpunkt, Bewegung, Erholung, Kinderauslauf und Grün, Grün, Grün bedeutet: Das sollte unantastbar sein.