14.12.06

Wirdschowern, oder

Doris Knecht | 12/06 | Kurier-Kolumne

Allmählich dürfte die  Zahl der Österreicher, die  ernsthaft auf eine neue Regierung vor Weihnachten hofft, ungefähr mit jener kongruieren, die ans Christkind glaubt.  Auch die Frage „Was machen die eigentlich die ganze Zeit?“ taucht immer seltener auf, der gelernte Hiesige gesteht auch  Regierungsverhandlern  diesen typisch austriakischen Hang zum Laissez-faire und Wirdschowern zu. Der Eindruck verdichtet sich, dass es eh nicht so wichtig ist, wann eine neue Regierung steht und wie die  ausschaut; ist ja alles irgendwie eins.
 Ist es nicht, wie man gerade überdeutlich auf den KURIER-Bildern jener Babys sehen

konnte die unter einem Erlass einer Sozialministerin effektiv leiden. Dieses Leid ist die unmittelbare Auswirkung davon, wer mit wem  erst koaliert, dann regiert. Solche Polit-Entscheide betreffen direkt unsere Leben – und  das jenes Babys in Wien-Fünfhaus, das von seiner Mutter mit Mehlpampe gefüttert und in Plastiksackerln gewickelt wird, weil  Windeln und Babynahrung unleistbar sind, da  das Kind aufgrund seiner Herkunft kein Kindergeld kriegt.
 Die Ministerin, die das zu verantworten hat, ist derzeit in weihnachtlichen Radiospots  zu hören;  ich vernahm ihre Stimme  im Vorbeigehen, sie sagte, man solle wo was spenden, „...damit für Kinder, die dringend Hilfe brauchen, auch ein Wunsch in Erfüllung geht“. Damit hat sie wohl nicht jene Kinder gemeint,  die sie  in die Armut getrieben hat.
 Aber das passiert, wenn man sich mit den falschen Leuten auf eine Regierung einlässt. Das passiert, wenn man  sich einredet, man werde gewisse Personen und Gruppen schon unter Kontrolle kriegen. Insofern kann es uns überhaupt nicht egal sein, wann es endlich eine Regierung gibt. Und wer mit wem koaliert. Das zielt direkt in unser Leben.
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