Doris Knecht
| 01/07
| Beschwerden
| Kurier-Kolumne
Es gab diese Woche auch schöne Geschichten; die schönste las ich gestern in der Süddeutschen Zeitung. Hat also nichts mit einem neuem Kanzler zu tun, aber auch ein wenig mit gebrochenen Versprechen oder zumindest: unerfüllten Erwartungen. Die Geschichte handelt von Frau Maria Milz aus Blankenheim in der Eifel, die wieder aus dem Altersheim auszog, in das sie zwei Monate zuvor übersiedelt war.
Das ist in zweierlei Hinsicht bemerkenswert: Erstens hört man selten von Menschen, die das Altersheim auf eigenen Wunsch wieder verlassen, zweitens
ist Frau Milz 100 Jahre alt. Was viele, unter anderem eine Pflegerin besagten Heims, zur Annahme verleitet, „die verkalkte Alte“ , so Frau Milz wörtlich zur SZ, habe sie „nicht mehr alle auf der Pfanne“: Irrtum.
Weil sie nachts nicht mehr schlafen konnte, erzählt Frau Milz, sei sie immer um sechs Uhr aufgestanden, habe geduscht, sich feingemacht und auf das Frühstück gewartet, dann sei „immer so ein Mädel“ gekommen, das sie in einer Art behandelt hatte, die man im Umgang mit noch etwas doofen Kleinkindern kennt: nicht Ernst nehmen, einfach anplaudern, gar nicht hinhören, was da an Gebrabbel zurück kommt. Frau Milz aber brabbelte nicht und fühlte sich so weit unter ihrer Erwachsenenwürde behandelt, dass sie schließlich ihre Tochter angerufen und diese aufgefordert habe, sie auf !der! Stelle! abzuholen. Das geschah. „Für den Laden war ich noch nicht reif“, sagt Frau Milz.
Nun lebt sie wieder mit ihrem Dackel in ihrem Haus; ihr Leben sei, sagt sie, beschwerlich und etwas einsam, aber: es ist weitgehend selbstbestimmt. Sich nichts gefallen zu lassen, das kann man von Frau Milz lernen, ist keine Frage der Jahre. Das Recht auf Respekt sowieso nicht.
Die Lieblingstochter möge Frau Milz (ganz 100) vorlesen;
von der KN ECHT aus dem Internet.
Diese 3 Frauen grüsst lachend schon wieder 1 Leser;
Und bitte einen Extraklapps auf den Dackel.