17.01.07

Da geht noch was

Doris Knecht | 01/07 | Arbeit & Wirtschaft | Beschwerden | Falter-Kolumne | Frauen / Männer | Kinder und andere Mitbewohner | Prost Mahlzeit | Schuld und Sühne | Unter Spießern

Das Abwasser steht, schlimm genug, und es steht, wo es nicht stehen sollte. Das Küchenabwasser steht in der Badewanne, und was sehen wir: gestern gab es Coq au Vin mit tüchtig Petersilie, dazu Reis und grünen Salat. War gut, nur ziehe ich es vor, die Reste davon nicht in der  Badewanne wiederzusehen, was ich dem Installateur am Telefon erkläre. Ich erkläre ihm nicht, noch nicht, dass ich nicht beabsichtige, die Rechnung für die Abflussreinigung vom Juli zu zahlen, ja, dass ich es ziemlich gewagt von ihm finde, diese Rechnung für die letzte Abflussreinigung überhaupt zu schicken. Aber der Installateur ist ein mutiger Mann, das konnte man schon letztes mal an seinen kecken, neuen Strähnchen sehen, sehr hübsch an einem Kerl, der wie ein Viva-Moderator aussieht, aber der Installateur sieht aus wie Elmar Oberhauser.
 Die letzte Abflussreinigung, für die der Installateur sich anschließend erlaubte, Euro 259, 20 in Rechnung zu stellen (Abwasserleitung mit Motorfeder gereinigt, Verstopfung dadurch behoben, Sifone bei Abwäsche, Badewanne und Waschtisch zerlegt, gereinigt und wieder zusammengebaut.) hatte zur Folge, dass der Sifon (Dichtheits- und Funktionskontrolle durchgeführt ) weiter tropfte, was allerdings zugegebenermaßen nicht der Grund dafür war, dass den Nachbarn unter uns wenig später zum zweiten Mal in zwei Jahren unser  Abwaschwasser hektoliterweise aus dem Kronleuchter regnete, tut uns wirklich leid, wir können ehrlich nichts dafür, wir leiden ja auch. Denn im Gegenzug wurden uns auf der Suche nach dem von der Rohrreinigung zerstörten Rohr Teile der Küche rausgerissen, so wie letztes Mal Teile vom Bad.
  Die Installateursmahnung mit den Worten „Es dürfte ihrer geschätzten Aufmerksamkeit entgangen sein, dass die Rechnung Nr. sowieso in der Höhe von 259,20 fällig ist“ undsoweiter mit freundlichen Grüßen, kongruierte nun sehr genau mit jenem Zeitpunkt, an dem der gereinigte Abfluß bereits wieder so verstopft sind wie der Matzleinsdorfer Gürtel an einem Montag um halb acht. Nichts geht mehr, sage ich. Er kommt gegen 14.30 sagt der Installateur. Gut, sage ich und mache ich mir schon mal Sorgen um die hübschen neuen Badezimmerfliesen, hinter denen ich die Matzleinsdorfergürtelverstopfung vermute. Das wird das brutal. Das wird wieder zu unschönen Kontobewegungen führen.
  Dabei hätte die Erinnerung an das Abendessen so schön sein können, denn die Kinder haben es gegessen. Beide Kinder. Keins hatte gemeckert. Gut, es war ein billig, da ohne Einsatz von Gemüse erkämpfter Sieg, aber ein Sieg war es. Selbstverständlich behaupte ich über meine Kinder, was alle anderen Eltern über ihre Kinder behaupten, dass diese alles mit der gleichen Begeisterung essen, Kohlrabi, Dinkel-Müsli, rohe Austern, alles super, unsere Kinder sind ja so neugierig, weißt du. Selbstverständlich ist das von hinten bis vorne gelogen; nur das mit dem Coq au Vin stimmt.
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