Doris Knecht
| 01/07
| Kurier-Kolumne
Folgende Stellenausschreibung entdeckte Leserin F. am Samstag: Die Kanzlei W./K. und Partner sucht für ihre Wiener Niederlassung eine/n Sekretär/in, und macht auch gleich eindeutige Kleidervorschriften: „Bluse und keine Jeans!“ Die Kanzlei lässt allerdings offen, ob die Blusen, in denen der Herr Sekretär zur Arbeit zu erscheinen hat, rosa oder lila, geblümt, gerüscht oder mit Spitzen verziert zu sein haben; das scheint in seinem eigenen Ermessen zu liegen. Es wäre ein hehrer Vorsatz fürs neue Jahr, die Geschlechtsneutralität in Anzeigen auch wirklich ernst zu nehmen, aber ich fürchte, so weit ist die Gesellschaft noch nicht.
Dafür interessiert sich die Gesellschaft brennend dafür, ob Schauspielerin N. K. jetzt schwanger ist oder nicht. Zum zahllosesten Mal wurde der Frau mit dem Wachsgesicht von den Medien eine Schwangerschaft angedichtet, die umgehend von einer Sprecherin der Betroffenen wieder dementiert wurde.
Was macht eigentlich die Frage, ob und wann eine Prominente aus Übersee ein Baby bekommt, so spannend, dass man darüber täglich informiert muss? Ich meine, wenn der Dame überraschend ein drittes Bein wachsen würde: gut, das wäre einigermaßen speziell. Aber ein Baby kriegen die meisten Frauen irgendwann, und so gesehen dümpelt der Sensationsquotient einer Befruchtung und ihrer Folgen doch eher im Nuller-Bereich herum. Und die Babies sehen dann auch alle ähnlich zerknautscht aus, egal wie perfekt renoviert die Mutter ist.
Was für ein guter Vorsatz ließe sich daraus basteln – wo wir gerade satt mit guten Absichten ein neues Jahr beginnen? Hm. Weiß nicht.
Eins weiß ich: Ich wünsche Ihnen ein gutes Jahr, Leserschaft; ein sehr gutes.