5.01.07

Straßenbahnlied

Doris Knecht | 01/07 | Beschwerden | Kurier-Kolumne | Stadt/Land


Bevor ich  hier im Ländle in Schnee-Betrachtungen versinke (leider nicht im Schnee: bis ins Tal herunter hat er’s auch hier nicht geschafft, trotz schwurhafter Beteuerungen der Meteorologie. Und obwohl dieses  Tal ein wenig gnädige Schneeverdeckung ästhetisch gut vertragen würde), erinnert mich ein Freund  daran, wo ich übrigens daheim bin. In Wien.
Der Freund fuhr vorgestern mit seinem Baby gegen halb zwei in einem Wagen (Nummer bekannt) der Linie N in Richtung  Friedrich-Engels-Platz. An der Haltestelle  Heinestraße wollte er mit dem Kinderwagen aussteigen, und folgender Dialog hob an.
Der Freund: Entschuldigung, könnten Sie mir beim Aussteigen mit dem Kinderwagen helfen?
Der Fahrer: Na, konn i ned.
Freund: Warum nicht?
Fahrer: Des derf i ned.
Freund (mit den Beförderungsvorschriften der Wiener Linien vertraut): Natürlich, das müssen Sie sogar.
Fahrer: Na, mei Oazt hod ma des verboten.
Freund: Und wie soll ich jetzt aussteigen?
Fahrer: Is ned mei Problem. Frogn’S jemand anderen.
Freund: Da ist aber niemand.
Fahrer: Is ned mei Problem.
Freund: Ich werde mich aber über Sie beschweren müssen.
 Fahrer: Mochn‘S des nua, wann‘S nix anderes zum tuan habn. 
Ende des Dialogs.  Freund und Baby konnten schließlich doch aussteigen: Mit der  Hilfe eines jungen Mannes,  der von der Straße angelaufen kam, um beim Rausheben des Kinderwagens zu anzupacken. Während der Fahrer, durch das Fenster deutlich sichtbar, noch lange über die Aufsässigkeit mancher Fahrgäste schimpfte.
Wie heißt’s im „Fiakerlied“, dem legendären Werk über die Wiener Beförderungsbetriebe? „Ja i bin halt: a echts Weanakind.“ Oja.
« Wiener Winter | Main | Wiener Folklore »