Doris Knecht
| 01/07
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| Kurier-Kolumne
| Schuld und Sühne
Der neue Wissenschaftsminister Johannes „Gio“ Hahn ist ein Mann schöner Worte, das zeigte schon das Festhalten nicht nur an seinem Spitznahmen, sondern auch an dessen falscher Prononciation. Tschio. Hübschio.
Drei Interviews gab Hahn in den letzten Tagen, drei Mal nahm er Stellung zur Studiengebühren- und Sozialdienstdebatte. Er sagte zum Standard: „Mir ist es ganz wichtig, dass es da nicht um einen Sozialdienst geht, wo jemand vergenusswurzelt wird, am Krankenbett zu stehen, obwohl er keine innere Berufung dazu hat (...).“ Er sagte zur Presse: „Und dann sollte niemand vergenusswurzelt werden, eine soziale Tätigkeit auszuüben, wenn er gar nicht innerlich dazu imstande ist.“ Er sagte zum KURIER: „Man muss eine soziale Ader haben, es soll niemand vergenusswurzelt werden.“
Wir bemerken: Hier hat der Wissenschaftsminister ein Wort erblickt, hat sich in das Wort verliebt, hat es ergriffen, in seinen Worthaushalt aufgenommen und es mit den anderen interessanten Hahn-Wörtern bekanntgemacht: „Darf ich vorstellen: Gio – Vergenusswurzelt, Vergnusswurzelt – Gio“. Nun, da das Wort seins geworden ist, zeigt er es natürlich auch gern her (so auf: mein Haus, mein Auto, meine Frau, mein Wort), indem er es so oft wie möglich verwendet.
Aber was bedeutet das Wort? Wikipedia führt es nicht. Der Duden kennt es nicht; es fehlt zwischen „vergelten“ und „vergesellschaften“, es findet sich auch nicht unter den Synonymen für „zwingen“, „gezwungen“ oder „drängen“. Wenn es verwendet wird, dann in Internet-Chatforen: stets erotisch konnotiert, im Sinne von sexueller Beglückung. Juchzio! Mit Minister Hahn wird selbst die Sozialdienstdebatte sexy.
vergenusswurzelt kannte ich nicht. Nur "vergenusszwergelt".
wurzelzerggruss, caspar