Doris Knecht
| 01/07
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| Schuld und Sühne
Dass eine reiche verwöhnte 25-jährige, die für Publicity so gut wie alles zu tun bereit ist, sich von einem Wiener Kaufhausbesitzer, der für Publicity so gut wie alles zu tun bereit ist, in seine Loge beim Opernball einladen lässt, ist in Wirklichkeit so wurscht, wie wenn ein Kiesel in die Donau fällt: pltsch. So wie der ganze Opernball so wurscht ist, dass es sogar jugendlichen Links-Rebellen längst zu blöd ist, dagegen zu demonstrieren, gibt doch sinnvollere Zeitvertreibe. Ja. Und spannendere. Wenigstens dem ORF ist es nicht zu blöd, die Spekulationen darüber, ob das amerikanische Schnepfenmädchen nun kommt oder nicht, tagelang als Hauptnachricht auf seiner Website zu spielen, neben Gusenbauers Regierungserklärung und dem Ortstafelkonflikt. First things first, denn Lugner scheine, so der ORF, „damit heuer als Gastgeber der ganz große Coup gelungen zu sein“. Pltsch. Da fällt einem spontan diese andere 23jährige ein, die auch gerade von von sich reden macht, aber nicht, weil ihr die goldenen Höschen, in denen sie geboren wurde, manchmal vom Popsch fallen. Nein, die ÖH-Vorsitzende Barbara Blaha trat enttäuscht aus der SPÖ aus, und das sollte der SPÖ sehr weh tun. Denn dieses Mädchen ist vom Leben kein bisschen verhätschelt worden, ein Arbeiterkind mit sechs Geschwistern, der Vater weg, die Mutter vor wenigen Jahren jung gestorben: Die hat dann ihren kleinen Bruder zu sich genommen, sie lebten von Kinderbeihilfe, Stipendium und den Nachhilfestunden, die Blaha gab. Wessen Partei will die SPÖ noch sein, wenn solche Menschen resigniert austreten? Es heißt, Kanzler Gusenbauer gehe heuer auch auf den Opernball. Vielleicht trifft er dort wen, der ihn gerne wählen würde. Paris vielleicht. Oder Mausi... pltsch.