Doris Knecht
| 01/07
| Kurier-Kolumne
| Stadt/Land
Das, was als „Wiener Winter“ in die österreichische Klima-Geschichte eingehen könnte, ist zumindest hier in Vorarlberg vorbei. Es wird schneien. Es wird jetzt ganz bestimmt endlich schneien. In Schi-Orten, wie dem Bregenzerwälder Dorf Mellau, werden die Bewohner nicht mehr händisch den Schnee von Wiesen und Hängen auf die Schipisten schaufeln, um den Gästen einen echten Winter vorzugaukeln. Es wird jetzt schneien. Es wird jetzt ganz gewiss schneien, Petrus sei Dank.
In Wien dagegen wird das große Heulen und Zähneknirschen anbrechen. Es wird geschaufelt und geflucht werden. Denn ist der Wiener Winter – eigentlich ein Herbst voller Advent und weihnachtlicher Straßenbeleuchtung, mit trunkenem Silvester, aber ohne Schnee – vorbei, wird er von einem echten, schneekontaminierten Winter abgelöst:
dann wird es wieder Zustände geben. Schwierige, ja unhaltbare Zustände.
Autos werden liegenbleiben, Menschen im Matsch ausrutschen, Parkplätze in Schneegebirge verwandelt und alle Bims werden überfüllt sein. Die Bims werden zwischen steckengebliebenen Autos steckenbleiben, der Schnee auf den Mänteln wird schmelzen, die Mäntel werden riechen, und die Menschen werden seufzen und schlimmeres.
Schon wird im Wiener Rathaus das Notfallszenario hervorgeholt, das den Einsatz aller verfügbaren Schneeräumfahrzeuge, von Kies, Salzen und sonstigen zur Schneebekämpfung geeigneten Mittel vorsieht, falls tatsächlich der absolute saisonale Ausnahmezustand eintreten sollte: Was der Fall ist, sobald am Rathausdach der zuständige Späher der ersten Schneeflocke ansichtig wird. Alarm! Es wird schneien! Es schneit schon! Fangt an zu schaufeln und zu fluchen! Der Wiener Winter ist vorbei!