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Doris Knechtder doris-knecht-blog: geschriebenes, gefundenes, beschwerden, einwände, trost, rat, lob, tadel und was sonst so anfällt. aus: falter, kurier, presse, profil, tagesanzeiger, anderswo und der werkstatt.
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28.02.07

Grüß Gott, Normalität

| Comments (0) | 02/07 | Kurier-Kolumne

 Nachdem ich hier einmal über den  völlig verständlichen Kinderwunsch homosexueller Paare geschrieben und auf dessen Erfüllung in absehbarerer Zeit gehofft hatte, rief mich anderntags ein Herr an. Der meldete sich mit Vor- und Nachnamen und erzählte dann engagiert, wie er früher, als er noch jünger war, immer „Warme gedroschen“  habe. Jetzt sei er für sowas leider zu  gebrechlich, was ich sehr begrüßte, bevor ich das Gespräch beendete.
Der ist noch immer da und sehr fit, der alte Schwulenhass.  Der zeigt immer noch ungeniert seine fiese Fratze, gerade wenn man denkt,  gleichgeschlechtliche Orientierung sei jetzt doch längst normal und gesellschaftlicher Konsens, weil doch eh jeder einen schwulen Bruder, Sohn oder Chef hat, eine lesbische  Freundin, Tante oder Kollegin. Aber wehe, die wollen  mehr, als nicht nur nicht mehr eingesperrt und nicht mehr verprügelt werden, zack, ploppt er wieder hoch, der alte Homo-Hass: Soweit kommts noch, dass die auch heiraten und Kinder haben dürfen wie alle anderen! Wo kommen wir denn da hin!?
Nach Europa, würde  ich mal sagen, und in die Normalität. 15 EU-Länder, die Schweiz, Norwegen und Grönland haben ihre homosexuellen Paare heterosexuellen rechtlich gleichgestellt: Österreich  nicht. Alle paar Jahre zeigt mal eine Ministerin schüchtern auf und sagt, äh, könnten wir nicht vielleicht: Worauf die ÖVP zuverlässig die traditionelle Familie bedroht sieht, und die ist allerdings allen möglichen Gefahren ausgesetzt, von denen aber die wenigsten von heiratswilligen Homosexuellen ausgehen. 
Aber jetzt: ÖVP-FamilienMinisterin Kdoslky wünscht sich eine rechtliche Gleichstellung Homosexueller „in allen Agenden“ und sieht in ihrer Partei keine Hindernisse.  Es geschehen noch Wunder. Vielleicht wird das  doch noch was mit der Normalität.
25.02.07

Wir basteln ein Taferl

| Comments (1) | 02/07 | Kurier-Kolumne

Das W gefällt mir nicht, ich  finde, das W ist zu groß. Das W sollte massiv kleiner sein oder überhaupt: weg. Das W ist im Vergleich zu den Ziffern zu dominant, finde ich,  und lästig ist es auch, speziell in der Provinz, wo einen das W immer sofort als Gscherten ausweist, wurscht ob man qua Geburt eine Gscherte  ist, oder ob einen nur die Wohnadresse dazu gemacht hat. Das W finde ich diskriminierend; auf das W werde ich verzichten. Oder vielleicht, dass ich’s ganz mini, hinter  dem Endbuchstaben aufmale, so klein, dass es von Weitem wie ein Punkt aussieht? Oder ich könnte das Wappen ein bisschen kleiner machen, schön mittig rücken und das W darunter picken. So könnt’s gehen.
Der blaue Balken muss aber weg; den finde ich überhaupt nicht schön. Dieses Yves-Klein-Blau ist doch haargenau diese Saison schick und dann erträgt diese Kreischfarbe niemand mehr. Steht auch keinem. Und es passt mit dem Rot-weiß-rot  von den Rändern oben und unten null zusammen und mit dem Lack von meinem Auto sowieso nicht. Wenn, dann müsste das Blau viel dunkler sein; so ein edles Nachtblau vielleicht, aber eigentlich ist blau auf so einem kleinen Ding einfach eine Farbe zuviel, also weg damit. Die Sternchen kann man ja rot machen und schön verteilen. Und das Weiß  müsste mehr ins Elfenbeinige  tendieren... nein, Eierschale! Ja, Eierschale ist gut.
Weil wenn der Haider ungestraft an seinen Ortstafeln rumbasteln darf, kann mir das doch bei meinen Autokennzeichen  keiner verbieten. Mein Kennzeichen nämlich. An meinem Auto. Und beim Haider wird auch nicht wirklich eingeschritten, wieso also bei mir. Und falls doch... Dann gründe ich unter meiner Adresse einfach einen kleinen Freistaat: In meinem Land kann ich mein Kennzeichen ja gestalten wie ich will. Oder.

Boboville
Boboville - Residenz Verlag

23.02.07

So viel zum Kaloriat

| Comments (0) | 02/07 | Kurier-Kolumne

Nette Meldungskoinzidenz:  Restaurants in Hongkong belegen ihre Gäste jetzt mit Strafen, wenn sie nicht aufessen. Während Nichtaufessen für den österreichischen Durchschnittsmann offenbar von Vorteil wäre: Der schaffte es soeben, gleich hinter dem Griechen, auf Platz 2 der dicksten Europäer. 50,8 Prozent der heimischen Männer sind laut Eurostat, dem statistischen Amt der EU, übergewichtig.
Allerdings hat die Hongkong-Maßnahme nichts mit dem BMI der Hongkonger zu tun, sondern mit Müllvermeidung: 700 Tonnen Speisereste fallen in den Restaurants  täglich an, die möchte man lieber incorporieren.
Auch die heimische Männerbladheit hat mit Müllvermeidung zu tun: Mit vermeidbarer Müllaufnahme, denn übergewichtig werden die Leute  – und  jedes vierte österreichische Kind – nun mal deshalb, weil sie zu viel ungesundes Zeug aufessen und zu viel fernsehen.
 So ein Satz generiert stets gut gemeinte Belehrungsmails des Inhalts, dass das schlechte Zeug halt auch das billige Zeug, Übergewicht  folglich ein Minderprivilegiertenproblem sei. Nur wer es sich leisten könne, habe auch Zugang zu vernünftigen Nahrungsmitteln.
Der Legende vom Kaloriat widerspricht jetzt aber erstens die Eurostat: Denn in ganz EU-Europa sind die Männer durchschnittlich dicker als die Frauen, egal ob arm oder reich. In Österreich etwa sind die Frauen EU-durchschnittlich sogar am dünnsten.  
Zweitens ein kleiner Billa-Preisvergleich: 1 kg Pommes Frites: € 2,92, 1 kg Chips € 2.80, 1 kg Erdäpfel € 0,85.  1 Tiefkühlpizza € 2,29, 1 kg Karotten € 0,89. 1 kg Schwedenbomben € 9,91, 1 kg Bananen € 1,99. Gesund essen kostet nicht mehr, weniger fernsehen gleich gar nichts. Da geht es nicht ums Können; da geht es ums Wollen.

 

22.02.07

Wie man unvernünftig 50 wird

| Comments (0) | 02/07 | Kurier-Kolumne

Seinen 50. Geburtstag feierte Herbert Molin vorgestern ohne Gesülze und ohne Torte, sondern, wie es sich für einen wie ihn gehört, auf der Bühne seines Gürtellokals rhiz: mit einem nicht 100prozentig  peinlichkeitsfreien, vom Publikum gleichwohl heftig akklamierten Kurzauftritt seiner Band The Thorns. Natürlich haben sich die schon in den späten 1980ern aufgelöst, aber für  einen Anlass wie den 50er von Sänger Molin frischt man im Proberaum gern wieder mal drei oder vier Nummern auf.
Wie zuletzt beim 20. Geburtstag der Blue Box, die Molin Ende 1983 gemeinsam mit Partnern im 7. Bezirk eröffnete, und die entscheidend zum Erwachen Wiens, zur Verjüngung und Befindlichkeitsmodernisierung beitrug. Eine Wiener „Szene“ existierte davor ja nur in Mikrospuren:  mit und in der Blue Box, vom  Falter einmal als „New Wave-Hawelka“  bezeichnet, erblühte sie prächtig. Wienerisches wie zugereistes Jungvolk mit popkulturellen Ambitionen fand dort  seinesgleichen und formierte, unter tätiger Mitwirkung des hündisch respektierten Personals, Bands, Beziehungen, Kunst- und Kulturkollektive, Familien und, wie der Molin-50er zeigte, anhaltende Freundschaften.  Immer stabil mittendrin: Wirt Molin.
Seine Anteile an der Blue Box verkaufte Herbie Molin vor wenigen Jahren , die am Musiklokal B72 kürzlich ebenfalls: Das hatte  er in den 90ern, kurze Zeit nach dem rhiz, in den Gürtelbögen eröffnet. Auch bei  der popkulturellen Urbarmachung des Gürtels war Molin einer der ersten vor Ort.
Jetzt ist er also im Ehrenzeichenalter, wenngleich es ihm noch immer am würdigen Ernst mangelt.  Heute wird im Badeschiff noch einmal gefeiert, wieder mit unvernünftig lauter Musik und vermutlich wieder Torten- und Sülzefrei:  wie es einem wie dem Molin eben ansteht.
21.02.07

Kommt drauf an, was man draus macht

| Comments (0) | 02/07 | Falter-Kolumne

Bei den Finks gibt man nicht so viel auf Formen, das weiß ich zu schätzen. Wir sind zum Essen eingeladen, und Fink öffnet in gestreiften Pyjama-Hosen, einem Footballshirt und einem saublöden Tirolerhut, und bis auf den Tirolerhut, der irgendwann auf den Kopf von Finks Tochter wechselt, ändert sich daran den ganzen Abend nichts. Finks Aufzug konterkariert schön das Finksche Heim, das man sich ungefähr als 1-Million-m2-Loft vorstellen muss, in dem alle 30 Meter ein Grüppchen ausgesucht schöner Möbel auf einem fantastischen Parkettboden herumsteht und so weiter; es treibt mir unschöne Neidwimmerl auf. Fink flackt auf seiner100-Meter-Küchen-Leder-Bank hinterm 100-Meter-Eichentisch, während die schöne Frau Fink kocht, hervorragend übrigens. lmmerhin ist die Akustik scheiße, das kalmiert mich ein wenig. Zudem knallt mir die Finksche immer noch eine Dose von diesem Paris-Hilton-Häppchenprosecco ... weiter lesen ...
21.02.07

Umverteilungssache Fasching

| Comments (0) | 02/07 | Kurier-Kolumne

Einmal gehts noch, dann ist der Fasching vorbei, und mir solls Recht sein. Mir tun die armen Verkäuferinnen leid, die ihr Geld im Fasching  in entwürdigenden Verkleidungen  verdienen müssen. Ich bin froh, wenn ich keine Kostüm-Gschnas-Einladungen mehr abwehren muss: Nein, ich verkleide mich sicher nicht, ich bin eh schon mein ganzes Leben lang unpassend angezogen, das muss genügen.   Es macht mir nicht aus, in der Bim keinen nudlfetten Clowns mit umgeschnallten Plastikbrüsten mehr zu begegnen. Ich habe nichts dagegen, wenn  Läden, Büros und Wohnung, (die Kinder bestehen darauf) endlich nicht mehr mit  gruselbunten Luftschlangen und Girlanden dekoriert sind, jedes Jahr haut mir das  komplett meinen mühselig zusammengerümpelten Einrichtungsstil zusammen: Könnte nicht endlich jemand eine  farblich weniger laute Faschingsdeko designen? Oder ist das ein Widerspruch in sich?
Außerdem: Der Fasching hat so etwas Trauriges, weil man weiß, dass die selben Leute, die sich gestern beim Gschnas so herrlich haben gehen lassen, jetzt wieder den ganzen Rest vom  Jahr die Popschbacken zusammenkneifen: vor der nächsten Weihnachtsfeier kommt von denen nichts Lustiges mehr,  garantiert nicht.
Andererseits ist das bei den meisten Leuten von Vorteil, dennoch wäre grosso modo vielleicht zu überlegen, den Fasching zu lassen und den eruptiven, überkonzentrierten Frohsinn und die auf ein paar Wochen zusammengestauchte Lockerheit  aufs ganze Jahr zu verteilen, das höbe sicher das allgemeine Laune-Niveau.  Die Ballsaison lappt sowieso längst vorn und hinten über den Fasching hinaus,   wäre also ungefährdet. Und  würde es wen stören, wenn sich  Kinder und Narren verkleiden, wann sie wollen, das ganze Jahr über? Also mich nicht.
18.02.07

Im dumme-Ansichten-Gewächshaus

| Comments (0) | 02/07 | Kurier-Kolumne

Irgendwas hat es,  da oben am Küniglberg. Irgendwas ist da. Weil so hoch liegt der Küniglberg ja auch nicht, dass man es der dünnen Luft zuschieben könnte, dass dort so viele Männer so dumme Ansichten über Frauen entwickeln. Es könnte eventuell daran liegen, dass so dumme Ansichten über Frauen, die ja immer mehr vom Aussterben bedroht sind, nur in so einer geschützten Werkstätte wie dem ORF gedeihen können.
Vielleicht ist ja der Künglberg-ORF so eine Art Dumme-Ansichten-über-Frauen-Gewächshaus, wo Dumme-Ansichten-über-Frauen-Gärtner, die außerhalb dieser Anstalt nur schwer vermittelbar wären, die dummen Ansichten gießen und  düngen, hegen und pflegen, wie man das mit bedrohten Pflanzen halt tut.
Manchmal macht einer der Gärtner den Fehler und präsentiert, weil er so stolz ist auf sein seltenes Pflänzchen, der Öffentlichkeit so eine dumme Ansicht über Frauen, und wird dann ausgelacht, beschimpft, es wird ihm der Vogel gezeigt oder sonst etwas total Ungerechtes. Wo die Öffentlichkeit doch lieber froh sein sollte, dass  es so einen Ort, eine Art gallischen Sicherheitstrakt gibt, wo noch jemand die  dummen Ansichten über Frauen vor der missgünstigen Außenwelt beschützt. Wo richtig dumme Ansichten über Frauen noch eine Chance haben, wo es noch Männer gibt, die sich ganz bewusst um dumme Ansichten über Frauen bemühen, überall  sonst verkümmern die dummen Ansichten über Frauen ja zusehends, gehen ein, sterben aus, da muss doch wer was unternehmen.
Zum Glück also schaut einer wie der ORF-Fernsehchefredakteur Karl Amon darauf, *dass förderungswürdige Frauen nicht überfordert werden und sich zu schnell entwickeln“. Jawoll! Der Mann verdient bitte einen Artenschutzorden, einen fetten, so ist es doch.
16.02.07

Tadellose Schenkentscheidung, Horvath

| Comments (1) | 02/07 | Falter-Kolumne

 Der Horvath hat in seinem neuen Specksteintopf ein Kaninchen alla Cacciatore gekocht, von dem werde ich noch träumen. Mit Erbsen. Und selbstgemachten Nudeln. Die Nudeln macht der Horvath mit einem Gerät, das ich bei ihm bislang nicht gesehen habe: einer nagelneuen, zitronengelben Kitchen-Aid, sehr schick. Sehr schick, Horvath, sag ich, neu? Hab ich der Gattin zu Weihnachten geschenkt, sagt der Horvath, und das ist interessant, denn die Gattin ist berühmt für viele volkswichtige Fähigkeiten, und die Zubereitung von Nahrung gehört nicht dazu. Schicke Küchenmaschine hast du da gekriegt, sag ich zur Horvathischen, schon mal was damit gemacht? Nein, strahlt die Horvath, aber der Horvath! Du schenkst deiner Frau, die niemals kocht, eine Küchenmaschine?, sag ich zum Horvath. Ja, sagt der Horvath, und zwar weil: Letztes Jahr hab ich ihr Inline-Skates zu Weihnachten geschenkt, die hat sie noch kein einziges Mal benutzt, und vorletztes Jahr einen sauteuren Rock, den hat sie noch kein einziges Mal getragen, und heuer hab ich mir gedacht, schenk ich ihr doch was, das wenigstens ich brauchen kann, und sie hat ja auch was davon. Und wir auch, sag ich, und lob den Horvath sehr für seine Schenkentscheidung.
 Dann essen wir glücklich das Kaninchen (die Kinder glauben, es ist Huhn, essen aber trotzdem nichts davon), und führen ... weiter lesen ...
16.02.07

Ostentative Bösewichtelei

| Comments (0) | 02/07 | Kurier-Kolumne

Es ist dieser Tage schwer, dem frisch ausgelieferten Helmut Elsner zu entgehen – vor allem: der Faszination der Figur Elsner; des offensichtlichen Bösewichts Elsner.
Genau das beanstandet der Wiener „Zeit“-Redakteur Florian Klenk in einem Beitrag für den Österreicher-Blog der Hamburger Wochenzeitung „Die Zeit“ (http://blog.zeit.de/oesterreich): Klenk erinnert daran, dass Elsner  unschuldig ist, und zwar bis zu seiner Verurteilung durch ein Gericht, und er kritisiert, dass der ehemalige Bawag-Chef in den Politik- und Leserbrief-Seiten einiger Boulevardmedien als „Depp“, „Verbrecher“, „Bankenschädling“ und „Jämmerling“ bezeichnet wurde und wird. Das sei, meint Klenk, Medienjustiz.
Das Problem ist nur: Elsner hat sich  in den  Monaten, seit er verdächtigt wird, das Bawag-Desaster hauptverantwortet zu haben, so genussvoll als Bösewicht inszeniert, dass es schwer ist, ihn nicht als solchen zu begreifen. Er ignorierte die Verbitterung der getäuschten Bawag-Kunden, SPÖ-Wähler, Gewerkschaftsmitglieder, er ignorierte Vorladungen, entzog sich mit allen ihm zur Verfügung stehenden Mitteln der Justiz und führte stattdessen ungeniert und ostentativ unbeeindruckt sein Reiche-Leute-Leben in Südfrankreich weiter.  Er zeigte keinerlei Anzeichen von Bedauern, Einsicht oder gar Reue. Sein Billig-Luxus-Penthouse in der City und sein aufwändiger Lebensstil  waren ihm keine Erklärung wert. Er ist und war so offensichtlich nicht an der Aufklärung der Vorgänge rund um die Karibikgeschäfte der Bawag interessiert, dass die Idee, Elsner könnte unschuldig sein, tatsächlich wenig Chance hatte, sich in den Köpfen der Österreicher festzusetzen.  Am rücksichtslosesten vorverurteilt wurde Helmut Elsner vor allem von einem: Helmut Elsner.
14.02.07

Wie man Müll vermeidet

| Comments (1) | 02/07 | Kurier-Kolumne

Mail vom 30.1., 14.25 Uhr an die PR-Firma Hochegger/COM: Sehr geehrte Fa. Hochegger, bitte schicken Sie mir keine Presseaussendungen mehr. Herzlichen Dank! Doris Knecht. Mail vom 30.1., 16.16 Uhr, an presse@hochegger.com: Sehr geehrte Damen und Herren, ich habe sie heute gebeten, mir keine Presseaussendungen mehr zu schicken und bitte Sie hiermit erneut darum: Bitte entfernen Sie meinen Namen aus Ihrer Mailingliste! Mit freundlichen Grüßen, D.K.
Mail vom 31.01., 10.38 Uhr an abmeldungen@hochegger.com: Sehr geehrte Damen und Herren, ich fordere Sie hiermit zum dritten Mal auf, mich von Ihrer Mailingliste zu entfernen und mir keine Aussendungen mehr zu schicken. Danke, mfg, DK. Mail vom 8.2. von presse@hochegger.com an doris.knecht@kurier.at: Anbei senden wir Ihnen eine aktuelle Presseinformation von... und so weiter.
Im Taumel meiner Niederlage gegen hochegger.spam erblicke  ich anderntags die Chance, wenigstens die Post in die Schranken zu weisen, denn zufällig betrete ich den Postboten dabei, wie er unadressierte Blätter von einem großen Stapel in jedes Brieffach  stopft,  auch in meins. „Sie!“, sage ich, „da steht 'Bitte keine unadressierte Werbung'!“ Der Postler aber erklärt mir, es handle sich bei  dem Blatt mit der Titelzeile "wien.at. Voller Elan für Wien",  keineswegs um Reklame, sondern um eine „amtliche Mitteilung“ der Stadt Wien: die müsse gesetzlich in jedes Fach.
Und da eine amtliche Mitteilung sicher wichtige Infos enthält, führe ich sie pronto der Lektüre zu und erfahre u. a., dass „unsere Stadt“ nun „in besten Händen“ sei, von „starkem Abschied“ (Rieder) und „steilem Aufstieg“ (Faymann). Ach ja, „Tipps & Tricks für weniger Abfälle in den Haushalten“ weiß das Blatt ebenfalls. Mir fiele da spontan auch einer ein.

11.02.07

Alles ruhig hier

| Comments (0) | 02/07 | Kurier-Kolumne

Meine Fragen zur Exkommunizierung von Baumeister Lugner  wurden von den Lesern erschöpfend beantwortet, danke. Also, erstens heißt es Exkommunikation. Zweitens exkommunziert sich der Sünder im Augenblick des Sündigens selbst und  ist dann  exkommuniziert, also von den kirchlichen Sakramenten ausgeschlossen, was aber durch ein Beichtgespräch mit einem Priester relativ unbürokratisch aufgehoben werden kann. Allerdings, so informiert Leser W., exkommunziert sich im Falle etwa eines Schwangerschaftsabbruchs nicht nur die Frau,  sondern jeder, der sie bei ihrer Entscheidung unterstützt sowie das gesamte medizinische Personal, das sich an der Abtreibung beteiligt. Wir lernen: Hier setzt die katholische Kirche einmal auf die Selbstverantwortlichkeit des einzelnen Gläubigen, wo sie sonst eher dafür berühmt ist, dass sie ihren Schäfchen sehr genau vorschreibt, wie zu leben und vor allem zu lieben sei.
Es ist verständlich und richtig, dass die katholische Kirche gemäß ihren Prinzipien Abtreibung verurteilt – und die Fristenlösung ablehnt. Aber die Bevölkerung will sie, was auch ein Augenschein in der Lugner-City zeigt. Das sexualmedizinische Institut muss man erst suchen, und es findet sich nicht zwischen Humanic und H&M, sondern in einem  entlegenen Flur. Dann stellt man fest:    Alles ist ruhig, Leute lesen im Wartezimmer,  eine nette Dame gibt am Empfang Auskunft, keine Abtreibungsgegner behindern den Betrieb.
 Dass die Fristenlösung die vergleichsweise beste Lösung ist, weiß offenbar auch die christlichen Werten verpflichtete ÖVP. Zwei Regierungsperioden lang hatte sie die Möglichkeit, die Fristenlösung den katholischen Wünschen entsprechend abzuschaffen. Hat sie es getan? Nein.
10.02.07

Die Post, haha

| Comments (0) | 02/07 | Kurier-Kolumne

Der Abgeordnete Josef Broukal lacht gerade über die Blasmusik, nichts zu lachen hat er dagegen mit der  Post, ein Schicksal, das er mit vielen anderen Österreichern teilt.
Das Primärproblem mit der Post ist ja: Das Prinzip  Bürgergesellschaft perlt an ihr ab. Der verärgerte Postkunde kann die Sache nicht selbst in die Hand nehmen, Lobbyismus, Kolumnismus, Kapitalismus: ist der Post dudeldei, gibt ja keine Alternative. Das ermöglicht ein Unternehmensprinzip, in dem Kunden gegen Angestellte ausgespielt werden und Angestellte gegen Kunden, und am Ende weiß meistens einer nicht, wohin mit seinem Ärger.
 Der Abgeordnete Broukal zum Beispiel wohnt im 14. Bezirk und ist, wie der Medienkonsument weiß, tagsüber recht berufstätig. Es geschieht also, dass Broukal, wenn die Post ihm Pakete und eingeschriebene Briefe zustellt, nicht daheim ist, wofür die Post die Hinterlegung erfunden hat, nur dass in Broukals Fall die Briefe  im Postamt 1140, die Pakete aber im Postamt 1142 hinterlegt werden. Dazwischen liegen zwei Kilometer, die sich Broukal gern ersparen würde, weshalb er vor einiger Zeit schriftlich anfrug, ob es nicht möglich wäre, Briefe wie Pakete bei 1142 zu hinterlegen. Er erhielt einen etwas zynischen Antwortbrief: Dessen Verfasser bedankte sich dafür, dass  Broukal sich so viele Gedanken über die Post mache und verwies auf postinterne Probleme, tja, leider, mit freundlichen Grüßen.
So holt Broukal seine  Briefe weiterhin bei 1140 ab, seine Pakete aber bei 1142,  und  könnte der Post  noch elf weitere Briefe schreiben, einer schärfer als der letzte, nur lassen die Erfahrungsberichte zahlreicher anderer Postkunden vermuten, dass das die Antwortqualität nicht optimieren würde. Oder dass sich gar was ändert... haha.  Hahahahaha.
07.02.07

Ganz formlos exkommunizieren

| Comments (1) | 02/07 | Kurier-Kolumne

Was ich mich in der Lugner-Laun-Sache vor allem gefragt habe: Darf Bischof Laun das? Kann irgendein katholischer Bischof einfach so einfach jeden Katholiken exkommunizieren, der des Bischofs Meinung zufolge  gesündigt oder anderweitig sein Missfallen erregt hat?
 Also wenn dem Bischof Laun jetzt zum Beispiel zugetragen würde, dass in, jetzt nur mal angenommen, Toronto, Kanada, der Filialleiter Simon Lane, r.k., und der Fahrradkurier Jacques Boulez, r.k., beide volljährig, eine unsittliche Handlungen einschließende Liebesbeziehung unterhalten, was die katholische Kirche bekanntlich entschieden missbilligt: Könnte Bischof Laun die beiden dann ganz spontan und formlos exkommunzieren? Einfach indem er einen katholischen Online-Dienst oder sonst eine Presseagentur darüber in Kenntnis setzt?
Wären Simon und Jacques  dann also verbindlich exkommunziert und keine getauften Katholiken mehr?  Dürften sie schlagartig nicht mehr, wie sie das zu tun pflegten, Sonntags gemeinsam die hl. Messe besuchen?  Müsste Simon aus dem Kirchenchor ausscheiden, in dem jahrelang sein schöner Bariton erklang? Wer würde Simon und Jacques die schockierende Nachricht überbringen? Würden Sie es aus der Presse erfahren, oder würden Bischof Laun oder dessen Sekretär persönlich bei Ihnen anrufen,  um sie über den Sachverhalt ihrer Exkommunizierung zu informieren? Oder würde Reverend Hopkins, der schon etwas tattrige Priester ihrer Kirche, mit sorgenvoller Miene bei Simon und Jacques anklingeln? Wie würden sie es aufnehmen? Würde es Tränen geben?
Oder reicht so ein Bischofsbannstrahl gar  nicht weiter als von Salzburg bis in die Lugner-City oder höchstens noch bis Bratislava? Bitte, ich frage nur.
06.02.07

Ah, es könnte Februar sein

| Comments (0) | 02/07 | Kurier-Kolumne

 Man ist in diesem Winter schon froh, wenn es mal tüchtig regnet oder man eine schlimme Erkältung hat, damit man die Jahreszeit wenigstens ungefähr spürt. Ah, meine Nase läuft, es könnte Februar sein. Dem jungen Herrn, der vor zwei oder drei Wochen in kurzen Ärmeln auf dem Fahrrad an mir vorbeipedalte, konnte ich den Januar jedenfalls nicht ansehen, wenngleich ich finde,  dass der Herr übertrieb: So warm war’s nun auch wieder nicht.
Aber wegen mir braucht’s nicht schneien. Schnee sei auch nur aufgemascherltes Wasser, las ich kürzlich so ähnlich irgendwo, und so ist es nicht nur ehrlicher, dass auch im Moment Wasser vom Himmel fällt: Aus Regen wird auch nicht im Augenblick, in dem er Wiener Grund berührt, schwarzer, kiesversetzter Match: und mit dem wird einem dann von passierenden PKWs das Paletot paniert. Plus, der Regen tut  den Rosen gut; am  Balkon wollen die ersten ja schon wieder zum Blühen anfangen, wobei ich mir nicht sicher bin, ob das von den Rosen eine vernünftige Idee ist. Was, wenn doch noch Frost kommt?  
Die Kinder aber sind sauer, sie finden, es ist kein Winter wenn kein Schnee fällt und kein Schnee  liegt: Sie wissen es nicht besser, sie sind halt noch nicht so viele Winter durch den Wiener Gatsch gepflügt, noch keine unbewarnten Fensterbrettlawinen  glitschten ihnen unversehens in ihre Mantelkragen, sie haben noch nicht so viele bräunliche Schneedecken wegschmelzen und langsam die darunter verborgenen Hundstrümmerl freilegen sehen, bevor der Frühlingswind sie langsam trocknet,  zersetzt, zerkrümelt, zerstäubt und als besonders leckeren Feinstaub durch die Straßen weht... Der Regen spült den Dreck wenigstens weg, runter in den Gulli: braver, guter Regen. Wegen mir braucht’s wirklich nicht schneien.

 

04.02.07

Zwicken, beißen, Haare reißen

| Comments (0) | 02/07 | Kurier-Kolumne

Einmal durfte ich einen sehr beliebten österreichischen Schriftsteller dabei beobachten, wie er nach einer Podiumsdiskussion einen Herrn aus den Publikum kräftig gegens Schienbein trat. Es war merkwürdig und faszinierend, denn mit einer derart archaischen, unmittelbaren Form der Konfliktbewältigung rechnet man  in diesen Kreisen nicht unbedingt. Der Schriftsteller hatte danach entschieden Glück, denn  der Herr aus dem Publikum überragte ihn um wenigstens einen Kopf, trat aber, wohl aus Verblüffung, nicht zurück. Und ließ auch nicht seinen Fausthammer auf den Schrifsteller niedersausen. Und packte ihn nicht bei den Ohren, um ihn einmal kräftig durchzubeuteln, oder wie Männer in Bierzelten und Landgasthäusern halt so Überzeugungsarbeit leisten, bevorzugt, nachdem sie ein paarmal hintereinander drei Bier bestellt haben.  
Ebenso faszinierend ist deshalb die Nachricht über den burgenländischen Landtagspräsidenten Prior, der kürzlich zu fortgeschrittener Stunde im Wirtshaus einen Konversationskontrahenten blutig biss. Denn wie der Schriftsteller verdient doch auch  der Landtagspräsident sein Geld im Prinzip damit, Sachverhalte schön bzw. verständlich zu formulieren, bzw. Meinungsverschiedenheiten   verbal auszutragen.  Was bringt solche Männer dazu,   plötzlich rohe Gewalt als momentan zielführendste Kommunikationsform zu begreifen und sich wie Buben am Schulhof aufeinander zu werfen und Watschen auszuteilen?
Immerhin: Besser, Männer hauen sich gegenseitig im Wirtshaus als Frau und Kind daheim. Dennoch wollen wir uns auf das besinnen, was wir schon im Kindergarten gelernt haben: Zwicken, beißen, Haare reißen: Nein. Und Schienbeine treten? Hm-m, auch nicht.
02.02.07

Eigentlich raucht R. nicht mehr

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Eigentlich raucht R. nicht mehr. Vor  einem Jahr hat er damit aufgehört und lange keinen Tschick angerührt. Es kam eine Stresssituation, ein Bier abends im Lokal,  eine geschnorrte Zigarette. Sie schmeckte noch,  und das tut sie seither öfter.  Trotzdem beharrt R. darauf, dass er nicht mehr raucht, weil er weitgehend nicht mehr raucht: Er raucht nicht in seiner Wohnung, er raucht nicht im Auto, er raucht nicht im Büro, wo auf seine Intitiative hin ein Rauchverbot durchgesetzt wurde.   Er raucht, wenn er raucht, abends im Lokal, wo auch andere rauchen, wo das Rauchen immer noch normal ist.
R. sagt aber, dass er über eine Denormalisierung des Rauchens prinzipiell nicht unglücklich wäre, und dass er eigentlich immer ganz froh darüber ist, wenn wo nicht geraucht werden darf: Dann tun’s die anderen nicht,  dann fällt’s ihm auch nicht ein, dann fehlt ihm nichts.
Dennoch habe ich meine anfängliche Begeisterung über allgemeine Rauchverbote ein wenig relativiert. Es stimmt nämlich: Man kann nicht hier auf die Freiheit des Menschen pochen, und dort ihre Einschränkung begrüßen. Wobei ich immer noch meine, dass die Freiheit der Raucher  zur Unfreiheit der Nichtraucher führt; dennoch: Die Wirte sollen selber entscheiden, ob in ihren Lokalen geraucht werden darf oder nicht.
Irritierend finde ich nur, dass so viele Wirte ganz selbstverständlich  eher ihre rauchenden Gäste vor Entzugserscheinungen und Verboten schützen wollen als ihre nichtrauchenden vor dem Rauch.  Als seien die Raucher das wertvolle Publikum; als seien die Nichtraucher Gäste 2. Klasse, deren Wunsch nach Rauch- und Gesundheitsrisikofreiheit man nur unter Strafandrohung zu erfüllen bereit ist, die nervigen Nörgler, die. Da fühl ich mich unwillkommen, und R. sagt, das versteht er.
01.02.07

Ich oder der Eierkarton

| Comments (0) | 02/07 | Falter-Kolumne

Die Leser raten mir, die Sache mit dem Essen nicht so verbissen anzugehen; die Leserinnen auch. Ein bisschen lockerer solle ich werden, ein wenig entkrampfen. Kinder würden verblüffenderweise trotz Verstößen gegen das 5-mal-täglich-Obst-und-Gemüse-Paradigmas groß, und angesichts meines muckibepackten1,90-Meter großen kleinen Bruders, der bis über die Pubertät hinaus nur Nutellabrot und Nudeln mit nichts zu sich nahm, muss ich dem zustimmen. Leider neige ich nicht zur Lockerheit. Auch eines meiner Kinder tut das nicht, teilt vielmehr meinen Hang zum Missionarischen und marschiert jetzt, nachdem meine Gehirnwäsche vorübergehend bei ihm verfangen hat, durch den Kindergarten und erklärt den anderen Kinder, dass sie verlässlich blöd würden, ja, die Mutter habe gesagt, man werde ganz dumm, wenn man kein Müsli und kein Gemüse und Obst isst, sie esse jetzt immer Müsli und Obst und Gemüse und werde es deshalb dereinst vermutlich als Einzige ins Kanasium schaffen, leiderschneider, ätschibätsch.
 Das ist natürlich sehr peinlich für mich. Aber wie seine Mutter tendiert nun mal auch das Kind zur Fetischierung von ... weiter lesen ...
01.02.07

Abenteuersüchtig

| Comments (1) | 02/07 | Kurier-Kolumne

Die allabendlichen „kulinarischen Abenteuer der Sarah Wiener“ machen  ziemlich süchtig, was ziemlich schlecht ist, weil der Sender „Arte“ sie nur noch bis Freitag zeigt: Die Berliner Köchin aus Wien fährt darin in einem etwas prätentiösen roten Käfer-Cabrio durch Frankreich und kocht in hervorragenden kleinen Landgasthäusern für eine  kleine, lokale Auskennerjury jeweils eine  regionale Spezialität.  Ihr dabei  zuzusehen, macht jeden Tag solches Vergnügen,  dass man es  ungern verpasst, wenn  man nicht gerade durch etwas   viel Wichtiges verhindert ist; wie etwa letzten Montag durch das fantastische Konzert der fantastischen Kärntner Band Naked Lunch im Radiokulturhaus; aber ich schweife ab.
Sarah Wiener ist ein Typ Frau, der nicht bei allen Männern  gut ankommt: sie ist selbstbewusst, selbstständig, hantig, kein bisschen hilflos und aus eigener Kraft überaus erfolgreich, was manche  ältere Herren wie etwa der  deutsche FAZ-Restaurantkritiker Jürgen Dollase nicht gerne sehen: Er bezeichnete die Fernsehköchin und Restaurantbesitzerin Wiener in einer Abrechnung einmal als „Verena Pooth der Gourmandise“ . Was unrichtig ist.
Denn Wiener zeigt in ihrer „Arte“-Show genau nichts Künstliches, Geschminktes, Aufgemotztes. Sondern ansteckende Begeisterung für etwas, das die Menschen im globalisierten Absolut-alles-zu-jeder-Zeit-Supernahrungsmarkt schon fast verlernt haben: Wie man aus guten, einfachen, regionalen Zutaten der Saison etwas richtig Feines kocht, das nach dem schmeckt, aus dem es gemacht ist. Und dass es eine Rolle spielt, wie und unter welchen Umständen diese Zutaten hergestellt worden sind. Und was für eine Freude es macht, wenn das Gericht gelingt. Da freut man sich gerne mit.
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