Doris Knecht
| 02/07
| Arbeit & Wirtschaft
| Frauen / Männer
| Kurier-Kolumne
| Prost Mahlzeit
| Stadt/Land
Die allabendlichen „kulinarischen Abenteuer der Sarah Wiener“ machen ziemlich süchtig, was ziemlich schlecht ist, weil der Sender „Arte“ sie nur noch bis Freitag zeigt: Die Berliner Köchin aus Wien fährt darin in einem etwas prätentiösen roten Käfer-Cabrio durch Frankreich und kocht in hervorragenden kleinen Landgasthäusern für eine kleine, lokale Auskennerjury jeweils eine regionale Spezialität. Ihr dabei zuzusehen, macht jeden Tag solches Vergnügen, dass man es ungern verpasst, wenn man nicht gerade durch etwas viel Wichtiges verhindert ist; wie etwa letzten Montag durch das fantastische Konzert der fantastischen Kärntner Band Naked Lunch im Radiokulturhaus; aber ich schweife ab.
Sarah Wiener ist ein Typ Frau, der nicht bei allen Männern gut ankommt: sie ist selbstbewusst, selbstständig, hantig, kein bisschen hilflos und aus eigener Kraft überaus erfolgreich, was manche ältere Herren wie etwa der deutsche FAZ-Restaurantkritiker Jürgen Dollase nicht gerne sehen: Er bezeichnete die Fernsehköchin und Restaurantbesitzerin Wiener in einer Abrechnung einmal als „Verena Pooth der Gourmandise“ . Was unrichtig ist.
Denn Wiener zeigt in ihrer „Arte“-Show genau nichts Künstliches, Geschminktes, Aufgemotztes. Sondern ansteckende Begeisterung für etwas, das die Menschen im globalisierten Absolut-alles-zu-jeder-Zeit-Supernahrungsmarkt schon fast verlernt haben: Wie man aus guten, einfachen, regionalen Zutaten der Saison etwas richtig Feines kocht, das nach dem schmeckt, aus dem es gemacht ist. Und dass es eine Rolle spielt, wie und unter welchen Umständen diese Zutaten hergestellt worden sind. Und was für eine Freude es macht, wenn das Gericht gelingt. Da freut man sich gerne mit.
jawohl, keine lacht toll so wie sarah wiener!