Doris Knecht
| 02/07
| Frauen / Männer
| Kurier-Kolumne
| Schuld und Sühne
Meine Fragen zur Exkommunizierung von Baumeister Lugner wurden von den Lesern erschöpfend beantwortet, danke. Also, erstens heißt es Exkommunikation. Zweitens exkommunziert sich der Sünder im Augenblick des Sündigens selbst und ist dann exkommuniziert, also von den kirchlichen Sakramenten ausgeschlossen, was aber durch ein Beichtgespräch mit einem Priester relativ unbürokratisch aufgehoben werden kann. Allerdings, so informiert Leser W., exkommunziert sich im Falle etwa eines Schwangerschaftsabbruchs nicht nur die Frau, sondern jeder, der sie bei ihrer Entscheidung unterstützt sowie das gesamte medizinische Personal, das sich an der Abtreibung beteiligt. Wir lernen: Hier setzt die katholische Kirche einmal auf die Selbstverantwortlichkeit des einzelnen Gläubigen, wo sie sonst eher dafür berühmt ist, dass sie ihren Schäfchen sehr genau vorschreibt, wie zu leben und vor allem zu lieben sei.
Es ist verständlich und richtig, dass die katholische Kirche gemäß ihren Prinzipien Abtreibung verurteilt – und die Fristenlösung ablehnt. Aber die Bevölkerung will sie, was auch ein Augenschein in der Lugner-City zeigt. Das sexualmedizinische Institut muss man erst suchen, und es findet sich nicht zwischen Humanic und H&M, sondern in einem entlegenen Flur. Dann stellt man fest: Alles ist ruhig, Leute lesen im Wartezimmer, eine nette Dame gibt am Empfang Auskunft, keine Abtreibungsgegner behindern den Betrieb.
Dass die Fristenlösung die vergleichsweise beste Lösung ist, weiß offenbar auch die christlichen Werten verpflichtete ÖVP. Zwei Regierungsperioden lang hatte sie die Möglichkeit, die Fristenlösung den katholischen Wünschen entsprechend abzuschaffen. Hat sie es getan? Nein.