Doris Knecht
| 02/07
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Eigentlich raucht R. nicht mehr. Vor einem Jahr hat er damit aufgehört und lange keinen Tschick angerührt. Es kam eine Stresssituation, ein Bier abends im Lokal, eine geschnorrte Zigarette. Sie schmeckte noch, und das tut sie seither öfter. Trotzdem beharrt R. darauf, dass er nicht mehr raucht, weil er weitgehend nicht mehr raucht: Er raucht nicht in seiner Wohnung, er raucht nicht im Auto, er raucht nicht im Büro, wo auf seine Intitiative hin ein Rauchverbot durchgesetzt wurde. Er raucht, wenn er raucht, abends im Lokal, wo auch andere rauchen, wo das Rauchen immer noch normal ist.
R. sagt aber, dass er über eine Denormalisierung des Rauchens prinzipiell nicht unglücklich wäre, und dass er eigentlich immer ganz froh darüber ist, wenn wo nicht geraucht werden darf: Dann tun’s die anderen nicht, dann fällt’s ihm auch nicht ein, dann fehlt ihm nichts.
Dennoch habe ich meine anfängliche Begeisterung über allgemeine Rauchverbote ein wenig relativiert. Es stimmt nämlich: Man kann nicht hier auf die Freiheit des Menschen pochen, und dort ihre Einschränkung begrüßen. Wobei ich immer noch meine, dass die Freiheit der Raucher zur Unfreiheit der Nichtraucher führt; dennoch: Die Wirte sollen selber entscheiden, ob in ihren Lokalen geraucht werden darf oder nicht.
Irritierend finde ich nur, dass so viele Wirte ganz selbstverständlich eher ihre rauchenden Gäste vor Entzugserscheinungen und Verboten schützen wollen als ihre nichtrauchenden vor dem Rauch. Als seien die Raucher das wertvolle Publikum; als seien die Nichtraucher Gäste 2. Klasse, deren Wunsch nach Rauch- und Gesundheitsrisikofreiheit man nur unter Strafandrohung zu erfüllen bereit ist, die nervigen Nörgler, die. Da fühl ich mich unwillkommen, und R. sagt, das versteht er.