Doris Knecht
| 02/07
| Kurier-Kolumne
| Schuld und Sühne
Was ich mich in der Lugner-Laun-Sache vor allem gefragt habe: Darf Bischof Laun das? Kann irgendein katholischer Bischof einfach so einfach jeden Katholiken exkommunizieren, der des Bischofs Meinung zufolge gesündigt oder anderweitig sein Missfallen erregt hat?
Also wenn dem Bischof Laun jetzt zum Beispiel zugetragen würde, dass in, jetzt nur mal angenommen, Toronto, Kanada, der Filialleiter Simon Lane, r.k., und der Fahrradkurier Jacques Boulez, r.k., beide volljährig, eine unsittliche Handlungen einschließende Liebesbeziehung unterhalten, was die katholische Kirche bekanntlich entschieden missbilligt: Könnte Bischof Laun die beiden dann ganz spontan und formlos exkommunzieren? Einfach indem er einen katholischen Online-Dienst oder sonst eine Presseagentur darüber in Kenntnis setzt?
Wären Simon und Jacques dann also verbindlich exkommunziert und keine getauften Katholiken mehr? Dürften sie schlagartig nicht mehr, wie sie das zu tun pflegten, Sonntags gemeinsam die hl. Messe besuchen? Müsste Simon aus dem Kirchenchor ausscheiden, in dem jahrelang sein schöner Bariton erklang? Wer würde Simon und Jacques die schockierende Nachricht überbringen? Würden Sie es aus der Presse erfahren, oder würden Bischof Laun oder dessen Sekretär persönlich bei Ihnen anrufen, um sie über den Sachverhalt ihrer Exkommunizierung zu informieren? Oder würde Reverend Hopkins, der schon etwas tattrige Priester ihrer Kirche, mit sorgenvoller Miene bei Simon und Jacques anklingeln? Wie würden sie es aufnehmen? Würde es Tränen geben?
Oder reicht so ein Bischofsbannstrahl gar nicht weiter als von Salzburg bis in die Lugner-City oder höchstens noch bis Bratislava? Bitte, ich frage nur.