Doris Knecht
| 02/07
| Kurier-Kolumne
| Schuld und Sühne
Es ist dieser Tage schwer, dem frisch ausgelieferten Helmut Elsner zu entgehen – vor allem: der Faszination der Figur Elsner; des offensichtlichen Bösewichts Elsner.
Genau das beanstandet der Wiener „Zeit“-Redakteur Florian Klenk in einem Beitrag für den Österreicher-Blog der Hamburger Wochenzeitung „Die Zeit“ (
http://blog.zeit.de/oesterreich): Klenk erinnert daran, dass Elsner unschuldig ist, und zwar bis zu seiner Verurteilung durch ein Gericht, und er kritisiert, dass der ehemalige Bawag-Chef in den Politik- und Leserbrief-Seiten einiger Boulevardmedien als „Depp“, „Verbrecher“, „Bankenschädling“ und „Jämmerling“ bezeichnet wurde und wird. Das sei, meint Klenk, Medienjustiz.
Das Problem ist nur: Elsner hat sich in den Monaten, seit er verdächtigt wird, das Bawag-Desaster hauptverantwortet zu haben, so genussvoll als Bösewicht inszeniert, dass es schwer ist, ihn nicht als solchen zu begreifen. Er ignorierte die Verbitterung der getäuschten Bawag-Kunden, SPÖ-Wähler, Gewerkschaftsmitglieder, er ignorierte Vorladungen, entzog sich mit allen ihm zur Verfügung stehenden Mitteln der Justiz und führte stattdessen ungeniert und ostentativ unbeeindruckt sein Reiche-Leute-Leben in Südfrankreich weiter. Er zeigte keinerlei Anzeichen von Bedauern, Einsicht oder gar Reue. Sein Billig-Luxus-Penthouse in der City und sein aufwändiger Lebensstil waren ihm keine Erklärung wert. Er ist und war so offensichtlich nicht an der Aufklärung der Vorgänge rund um die Karibikgeschäfte der Bawag interessiert, dass die Idee, Elsner könnte unschuldig sein, tatsächlich wenig Chance hatte, sich in den Köpfen der Österreicher festzusetzen. Am rücksichtslosesten vorverurteilt wurde Helmut Elsner vor allem von einem: Helmut Elsner.