16.02.07

Tadellose Schenkentscheidung, Horvath

Doris Knecht | 02/07 | Falter-Kolumne | Kinder und andere Mitbewohner | Prost Mahlzeit | Unter Spießern

 Der Horvath hat in seinem neuen Specksteintopf ein Kaninchen alla Cacciatore gekocht, von dem werde ich noch träumen. Mit Erbsen. Und selbstgemachten Nudeln. Die Nudeln macht der Horvath mit einem Gerät, das ich bei ihm bislang nicht gesehen habe: einer nagelneuen, zitronengelben Kitchen-Aid, sehr schick. Sehr schick, Horvath, sag ich, neu? Hab ich der Gattin zu Weihnachten geschenkt, sagt der Horvath, und das ist interessant, denn die Gattin ist berühmt für viele volkswichtige Fähigkeiten, und die Zubereitung von Nahrung gehört nicht dazu. Schicke Küchenmaschine hast du da gekriegt, sag ich zur Horvathischen, schon mal was damit gemacht? Nein, strahlt die Horvath, aber der Horvath! Du schenkst deiner Frau, die niemals kocht, eine Küchenmaschine?, sag ich zum Horvath. Ja, sagt der Horvath, und zwar weil: Letztes Jahr hab ich ihr Inline-Skates zu Weihnachten geschenkt, die hat sie noch kein einziges Mal benutzt, und vorletztes Jahr einen sauteuren Rock, den hat sie noch kein einziges Mal getragen, und heuer hab ich mir gedacht, schenk ich ihr doch was, das wenigstens ich brauchen kann, und sie hat ja auch was davon. Und wir auch, sag ich, und lob den Horvath sehr für seine Schenkentscheidung.
 Dann essen wir glücklich das Kaninchen (die Kinder glauben, es ist Huhn, essen aber trotzdem nichts davon), und führen eine befriedigende Konversation über Wurstosmose und über die Verachtung der original bürgerlichen Kindergartenmütter, womit der Horvath, der nämlich auch ein tadelloser Bürger ist, aber vielleicht nicht so aussieht, schlecht umgehen kann. Ich finde, wir haben uns diese Verachtung jahrelang mühsam erarbeitet, wir sollten stolz darauf sein, aber der Horvath sagt, trotzdem tut er sich schwer damit. Er ist nämlich ein netter Mensch, sagt der Horvath, er ist auch nett zu den beigen Todds-Müttern, seit Jahren, sagt der Horvath, grüßt er die freundlich, und seit Jahren ignorieren die ihn, und er weiß, dass es dumme Trutschen sind, aber es deprimiert ihn trotzdem. Dann kommen der kleine Horvath und der kleine Dings mit nackten Hintern angelaufen und schwenken ihre Zipfel, und der Horvath brüllt, dass er beim Essen keine Zipfel sehen will, raus!, darüber vergisst er seine Melancholie, und wir machen noch eine Flasche Rotwein auf.
  Der Horvath hat gestern ein Kaninchen alla Cacciatore gekocht, von dem werde ich noch träumen, schreib ich dem Sedlacek am nächsten Tag in ein Mail, und wie ich diese Nachmittage gern habe, mit diesen anderen Eltern, mit denen ich sehr viel früher schon gemeinsam von Barhockern fiel und mit denen ich dann gemeinsam irgendwie erwachsen wurde, und die mir jetzt so tolles Essen kochen, dass ich die ganze Woche davon gerührt bin, nicht primär, weil das Essen so gut ist, sondern weil sich einer wie der Horvath so viel Mühe gibt, mich mitten unter der Woche mit einem Essen glücklich zu machen; und darauf antwortet Sedlacek nicht. Kann sein, er verstehts nicht; was ich versteh.
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» 19.02.07 21:49
T.W. aDabei

Sonnige N8 klingt zwar unwahrscheinlich jedoch scheint die Sonne ja jetzt doch auch. Merken tun wir halt wenig davon, weil sich da was dreht. Aja wir leben ja auf einem Lebewesen, daß sich auch gern bewegt.

Und mich bewegte dein Artikel Dir folgendes ins StammBuch namens blog zu schreiben:

Wöldklasse, mich amüsierte dieser Artikel so, daß ich fast bei Euch am Tisch saß (zumindest im Horvarth beim Naschmarkt ggg*). Und so macht schenken zwischen Liebenden wieder Sinn! Als ExWiener und NeoGrazer werd ich deine Artikeln weiterhin mit GeNuss lesn. Sedlacek heisst vielleicht auch noch Robert? Das würde dem Artikel noch die Krone aufsetzen.

Somit danke und

Wenn die Männer lernen, über ihre Gefühle zu sprechen und die Frauen, über ihre Gefühle zu schweigen, wird die Welt heil.(indianische Weisheit)

T.W. aDabei

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