21.02.07

Umverteilungssache Fasching

Doris Knecht | 02/07 | Kurier-Kolumne

Einmal gehts noch, dann ist der Fasching vorbei, und mir solls Recht sein. Mir tun die armen Verkäuferinnen leid, die ihr Geld im Fasching  in entwürdigenden Verkleidungen  verdienen müssen. Ich bin froh, wenn ich keine Kostüm-Gschnas-Einladungen mehr abwehren muss: Nein, ich verkleide mich sicher nicht, ich bin eh schon mein ganzes Leben lang unpassend angezogen, das muss genügen.   Es macht mir nicht aus, in der Bim keinen nudlfetten Clowns mit umgeschnallten Plastikbrüsten mehr zu begegnen. Ich habe nichts dagegen, wenn  Läden, Büros und Wohnung, (die Kinder bestehen darauf) endlich nicht mehr mit  gruselbunten Luftschlangen und Girlanden dekoriert sind, jedes Jahr haut mir das  komplett meinen mühselig zusammengerümpelten Einrichtungsstil zusammen: Könnte nicht endlich jemand eine  farblich weniger laute Faschingsdeko designen? Oder ist das ein Widerspruch in sich?
Außerdem: Der Fasching hat so etwas Trauriges, weil man weiß, dass die selben Leute, die sich gestern beim Gschnas so herrlich haben gehen lassen, jetzt wieder den ganzen Rest vom  Jahr die Popschbacken zusammenkneifen: vor der nächsten Weihnachtsfeier kommt von denen nichts Lustiges mehr,  garantiert nicht.
Andererseits ist das bei den meisten Leuten von Vorteil, dennoch wäre grosso modo vielleicht zu überlegen, den Fasching zu lassen und den eruptiven, überkonzentrierten Frohsinn und die auf ein paar Wochen zusammengestauchte Lockerheit  aufs ganze Jahr zu verteilen, das höbe sicher das allgemeine Laune-Niveau.  Die Ballsaison lappt sowieso längst vorn und hinten über den Fasching hinaus,   wäre also ungefährdet. Und  würde es wen stören, wenn sich  Kinder und Narren verkleiden, wann sie wollen, das ganze Jahr über? Also mich nicht.
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