Doris Knecht
| 02/07
| Freunde
| Kurier-Kolumne
| Prost Mahlzeit
Seinen 50. Geburtstag feierte Herbert Molin vorgestern ohne Gesülze und ohne Torte, sondern, wie es sich für einen wie ihn gehört, auf der Bühne seines Gürtellokals rhiz: mit einem nicht 100prozentig peinlichkeitsfreien, vom Publikum gleichwohl heftig akklamierten Kurzauftritt seiner Band The Thorns. Natürlich haben sich die schon in den späten 1980ern aufgelöst, aber für einen Anlass wie den 50er von Sänger Molin frischt man im Proberaum gern wieder mal drei oder vier Nummern auf.
Wie zuletzt beim 20. Geburtstag der Blue Box, die Molin Ende 1983 gemeinsam mit Partnern im 7. Bezirk eröffnete, und die entscheidend zum Erwachen Wiens, zur Verjüngung und Befindlichkeitsmodernisierung beitrug. Eine Wiener „Szene“ existierte davor ja nur in Mikrospuren: mit und in der Blue Box, vom Falter einmal als „New Wave-Hawelka“ bezeichnet, erblühte sie prächtig. Wienerisches wie zugereistes Jungvolk mit popkulturellen Ambitionen fand dort seinesgleichen und formierte, unter tätiger Mitwirkung des hündisch respektierten Personals, Bands, Beziehungen, Kunst- und Kulturkollektive, Familien und, wie der Molin-50er zeigte, anhaltende Freundschaften. Immer stabil mittendrin: Wirt Molin.
Seine Anteile an der Blue Box verkaufte Herbie Molin vor wenigen Jahren , die am Musiklokal B72 kürzlich ebenfalls: Das hatte er in den 90ern, kurze Zeit nach dem rhiz, in den Gürtelbögen eröffnet. Auch bei der popkulturellen Urbarmachung des Gürtels war Molin einer der ersten vor Ort.
Jetzt ist er also im Ehrenzeichenalter, wenngleich es ihm noch immer am würdigen Ernst mangelt. Heute wird im Badeschiff noch einmal gefeiert, wieder mit unvernünftig lauter Musik und vermutlich wieder Torten- und Sülzefrei: wie es einem wie dem Molin eben ansteht.