Doris Knecht
| 02/07
| Frauen / Männer
| Kurier-Kolumne
| Prost Mahlzeit
| Schuld und Sühne
Einmal durfte ich einen sehr beliebten österreichischen Schriftsteller dabei beobachten, wie er nach einer Podiumsdiskussion einen Herrn aus den Publikum kräftig gegens Schienbein trat. Es war merkwürdig und faszinierend, denn mit einer derart archaischen, unmittelbaren Form der Konfliktbewältigung rechnet man in diesen Kreisen nicht unbedingt. Der Schriftsteller hatte danach entschieden Glück, denn der Herr aus dem Publikum überragte ihn um wenigstens einen Kopf, trat aber, wohl aus Verblüffung, nicht zurück. Und ließ auch nicht seinen Fausthammer auf den Schrifsteller niedersausen. Und packte ihn nicht bei den Ohren, um ihn einmal kräftig durchzubeuteln, oder wie Männer in Bierzelten und Landgasthäusern halt so Überzeugungsarbeit leisten, bevorzugt, nachdem sie ein paarmal hintereinander drei Bier bestellt haben.
Ebenso faszinierend ist deshalb die Nachricht über den burgenländischen Landtagspräsidenten Prior, der kürzlich zu fortgeschrittener Stunde im Wirtshaus einen Konversationskontrahenten blutig biss. Denn wie der Schriftsteller verdient doch auch der Landtagspräsident sein Geld im Prinzip damit, Sachverhalte schön bzw. verständlich zu formulieren, bzw. Meinungsverschiedenheiten verbal auszutragen. Was bringt solche Männer dazu, plötzlich rohe Gewalt als momentan zielführendste Kommunikationsform zu begreifen und sich wie Buben am Schulhof aufeinander zu werfen und Watschen auszuteilen?
Immerhin: Besser, Männer hauen sich gegenseitig im Wirtshaus als Frau und Kind daheim. Dennoch wollen wir uns auf das besinnen, was wir schon im Kindergarten gelernt haben: Zwicken, beißen, Haare reißen: Nein. Und Schienbeine treten? Hm-m, auch nicht.