Doris Knecht
| 03/07
| Arbeit & Wirtschaft
| Frauen / Männer
| Kurier-Kolumne
Wenn Anfang Februar ein Packerl von der Familie eintrifft, weiß ich, aha, ich habe wieder Namenstag. Wenn Anfang März plötzlich deprimierende Statistiken über Fraueneinkommen erscheinen, wenn selbst Boulevardblätter, die Frauen sonst bevorzugt mindertextiliert zeigen, sich überraschend für mehr Gleichberechtigung stark machen, und wenn ich auf meiner Mailbox eine Anfrage zur Teilnahme an einer ZiB-Diskussion vorfinde, dann weiß ich, aha! Es muss wieder Frauentag sein.
Kurz überlegte ich, diese Frauentag-Kolumne erst übermorgen zu schreiben, weil was wäre passiert? Man hätte mir verwundert den Vogel gezeigt, der Frauentag ist ja vorbei; für die nächsten 364 Tage ist alles besprochen. Genau das ist das Problem mit dem Frauentag.
Das einzige, was den Frauen wirklich nützt, sind, wie sich immer mehr zeigt, Frauen in Positionen, in denen sie dafür sorgen, dass sich die ganz normalen Lebensumstände, die Verdienst- und Aufstiegsmöglichkeiten, Arbeits- und Rahmenbedingungen von Frauen verbessern: Managerinnen, Direktorinnen; Familienministerinnen, Wirtschaftsministerinnen, Finanzministerinnen, Kanzlerinnen. Ziemlich für die Fisch dagegen, der ministerialisierte Frauentag praktisch, sind isolierte Frauenministerien ohne Budget: Viel irrsinnig guter Wille, viele schockierende Statistiken, viele wahnsinnig wichtige Worte, total viel Zustimmung, keine Kompetenz.
Seit ich ein großes Mädchen bin, und das bin ich jetzt schon lang, höre ich etwa von SPÖ-Frauenministerinnen die dringliche Forderung nach mehr Kinderbetreuungsplätzen. Ich hörte sie von Dohnal, Konrad und Prammer, was so viel genützt hat, dass ich sie von Bures nun wieder höre. Und natürlich um den Frauentag rum: Danke, ganz lieb! Morgen ist eh wieder alles super.