Doris Knecht
| 03/07
| Arbeit & Wirtschaft
| Beschwerden
| Frauen / Männer
| Kurier-Kolumne
Es ist ein schönes Gefühl, wenn man bei einer alten Mission endlich auf Verbündete trifft; besonders wenn sie so seriös sind wie die Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung. Die sah sich in ihrer letzten Ausgabe unter dem Titel „Der Herrenwitzbold“ veranlasst, „Wetten-dass...?“-Moderator Thomas Gottschalk „endlich mal gewaltig auf die Finger“ zu klopfen, weil es nicht sein könne, „dass man sich nur als Freak verkleiden muss, um das Betatschen schöner Frauen vor zwölf Millionen Zuschauern als gesellschaftsfähiges Verhalten zu etablieren.“ Genau.
Heute Abend ist wieder „Wetten dass...?“, ich werde, Faszination des Gruselns, wieder reinspähen und mich wieder fragen, ob wir in der Evolutionskette nicht schon viel weiter waren. Und warum weibliche Superstars, die 1000 Mal be-rühmter sind als Gottschalk, sich sowas gefallen lassen.
Vielleicht, weil sie vor lauter Überrumpelung einfach nicht glauben können, was ihnen hier an Frechheit geschieht. Realitischer aber ist, dass Gottschalks Handarbeit als Handel betrachtet wird, als eine Art sozial anerkannter Prostitution light: sowohl von den Frauen, die Gottschalk die Gefälligkeit erweisen, ihm nicht in die Fresse zu hauen, wenn er sie ausgreift, wie auch von den öffentlich-rechtlichen Sendeanstalten, die Gottschalk das Bor... äh Forum zum Ausleben seiner Phantasien zur Verfügung stellen. Und davon profitieren.
Weil das ist ja so witzig! Und charmant! Nein, ist es nicht. Die FAS nennt es „sexuelle Belästigung“ und konstatiert, „Gottschalks Verfehlungen“ seien „keine dumme Angwohnheit, die er sich abtrainieren könnte“, sondern der Ausdruck eines antiquierten Verständnisses von Unterhaltungsfernsehen. Das er auch heute wieder zur Schau stellen wird, Hand aufs Herz.