30.03.07

Ein Leben nach dem Plastiksackerl

Doris Knecht | 03/07 | Arbeit & Wirtschaft | Kurier-Kolumne | Schuld und Sühne

Als im November aus Paris zu vernehmen war, dass dort schon 2007 alle Plastiksackerl verboten würden, um jährlich 8000 Tonnen schwer belastenden Müll zu vermeiden, klang das wie eine Nachricht von einem anderen Planeten: Äh? Wie soll das funktionieren, ein Leben ohne Plastiksackerl? Wie tragen wir unsere Einkäufe, wie wiegen wir Obst, worin verpacken wir Lebensmittel?
Vier Monate und eine  volksübergreifende Klimawandel-Gehirnwäsche später klingt die gleiche Nachricht, diesmal aus San Francisco, ganz vernünftig: Dort hat der Stadtrat vorgestern das Verbot von Plastikeinkaufssackerln beschlossen: 180 Millionen dieser dünnen Sackerl werden von den Supermärkten in San Francisco jährlich zum Einkauf verschenkt. Das wird sich ändern: Künftig dürfen nur noch Papier- und Stoffsäcke abgegeben werden. Der feine leichte Kunststoff,  den der Wind  von den Müllhalden in die Luft und in  Bäume trägt und der die Meere nachhaltig verschmutzt (in einer Küstenstadt ist man da wohl sensibler), soll verschwinden.Für immer.
In Wien ist  außer grünem  Wünschen und vagem roten Absichtserklären  bisher nicht viel passiert. Höchstens in den Köpfen, wenn ich ausnahmsweise meinen Kopf als exemplarisch für die österreichischen hernehmen darf: Jedes neue Nylonsackerl erzeugt bei mir mittlerweile schlechtes Gewissen. Wenn ich im Supermarkt Gemüse in Sackerl packe oder Einkäufe, für die meine Bürotasche zu klein ist: automatisch Schuldgefühle. Seit neuestem finden sich deshalb in dieser Tasche stets  drei leichte Einkaufsnetze (solche wie in den 1970ern;  habe ich bei einer  Wiener Parfümeriekette endlich wieder entdeckt). Und  da schau her: Es gibt ein Leben neben dem  Sackerl. Nicht immer ganz erfolgreich; aber immer öfter.
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