Doris Knecht
| 03/07
| Kurier-Kolumne
| LiLäLa (Liste lässlicher Laster)
Einige Leserinnen und Leser sind der Meinung, es würde an dieser Stelle entschieden zu oft über die Wiener Hundekotproblematik geschrieben. Frau A. F. etwa ist empört, dass sie hier das Wort „Scheiße“ lesen musste. Dafür habe ich Verständnis; meine Kinder dürfen das Wort auch nicht benutzen.
Ich bin allerdings verwundert, dass es zwar nicht akzeptabel scheint, über dieses Wort zu stolpern – in die Sache, die das Wort benennt, dagegen schon. Und dieses grausige, stinkende, gesundheitsgefährdende Material unter Schuhen, Kinderwagenrädern und Gehstöcken ist, so unschön das in sensiblen Ohren klingen mag: Scheiße. Und viele wohlerzogene Menschen, denen das ekle Wort nie nie nie über die Lippen käme, finden nichts dabei, ihre Hunde auf Gehsteigen, vor Läden und Schulen, Entschuldigung: scheißen zu lassen, und diese, Verzeihung, Scheiße nicht zu entfernen.
Ich kann es einfach nicht mit eleganten Worten beschönigen, wenn mir meine Tochter, wie erst letzten Sonntag wieder, auf einem eingezäunten Kinderspielplatz ihren, excuse me, hundescheißeverschmierten Fussball in ihren, tut mir leid, hundescheißeverschmierten Kinderhänden entgegenhält. Solange es in Wien Hundehalter gibt, die ihre Tiere ungeniert überall, selbst auf Kinderspielplätze und so auf Kinder und in Kinderhände, sorry, scheißen lassen, und so lange all das nicht spürbar bestraft wird: So lange muss es ausgesprochen werden.
Glauben Sie mir, das macht mir auch keine Freude. Aber ich will will will keinen Hundekot mehr von meinen Kindern wischen; und das halte ich für ein vollkommen berechtigtes Anliegen. Solange das Problem da ist, wird es benannt werden: Denn es ist, excusez-moi, Scheiße.
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