Doris Knecht
| 03/07
| Frauen / Männer
| Kinder und andere Mitbewohner
| Kurier-Kolumne
| Schuld und Sühne
Eine Kurzmeldung auf der „Aus-aller-Welt“-Seite der VN: In Neuseeland demonstrierten Tausende Eltern für das Recht , ihre Kinder weiterhin ohrfeigen zu dürfen: Selbst Kinder demonstrierten gegen ein geplantes Gesetz marschiert, das ihre körperliche Züchtigung durch Erwachsene verbietet. Noch eine VN-Nachricht, diesmal aus dem Lokalteil: In Feldkirch wurde eine 35jährige Frau verurteilt, weil sie ihre kleinen Töchter immer wieder mit Schuhen, Besen und Gürteln verprügelt hatte.
Und eine weitere aktuelle Meldung, ich weiß nicht mehr, woher: 5400 Ehrenmorde wurden in der Türkei in den letzten fünf Jahren an Frauen verübt. Das sind 1080 Morde im Jahr, das sind fast drei Türkinnen täglich, die von Mitgliedern ihrer Familie, von Vätern, Brüdern, Cousins und Onkeln umgebracht werden, weil sie in deren Augen unziemlich lebten. Drei erschlagene, erschossene, erwürgte Frauen und Mädchen jeden Tag; in einem Land, das Mitglied der EU werden will.
Die Neuseeländer sind der Meinung, der Staat mische sich mit dem Ohrfeigen-Verbot ungebührlich in Familiensachen ein: Es gibt in Österreich nicht wenige Erziehungsberechtigte, die diese Ansicht voll und ganz teilen und sich die Freiheit wünschen, ihren ungezogenen Fratzen auch mal mit ein paar Watschen zu zeigen, wer der Sheriff im Haus ist. Eine Ohrfeige hat ja noch keinem geschadet.
Aber wenn der Staat sein Gewaltmonopol auch nur ein bisschen lockert, wenn er den Bürgern, den Müttern, den Vätern, den Brüdern und Onkeln erlaubt, das Recht und das Recht auf Gewalt auch nur ein bisschen selbst in die Hand zu nehmen: Wie weit ist es dann noch bis in die Türkei? Es gilt die alte Warnung: Immer aufpassen beim Wünschen. Es könnte in Erfüllung gehen.