Doris Knecht
| 03/07
| Arbeit & Wirtschaft
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| Kurier-Kolumne
Das sagte Karl-Heinz Grasser im SonntagsKURIER-Interview: „Wenn man weiß, dass man sich mit mehr und mit weniger Geld sehr glücklich fühlen kann, dann ist dieses Geld eigentlich bedeutungslos.“
Ich versuche gerade mir vorzustellen, was sich ein Karl-Heinz Grasser unter „wenig Geld“ vorstellt, weil ich glaube, dass er davon keine Ahnung hat. Brauchen Reiche auch nicht: Sie sollen ihr Jet-Set-Leben führen in Kitzbühel oder sonstwo, in Capri und der Karibik von Jachten hüpfen, mal eben ein paar Tausend Euro für Wein im Restaurant oder ein Adoptivkind im Entwicklungsland ausgeben, bei den Modeschauen in Paris, New York und Mailand dekorativ in der ersten Reihe sitzen, Maybachs und Ferraris fahren, Haute Couture an makellosen Körpern tragen, ihre Kinder in Schweizer Internate stecken, in eigenen oder geborgten Privatjets nach Mailand in die Oper fliegen, mit den anderen Reichen prestigeträchtige Sportarten ausüben und Oldtimer-Rennen fahren.
Aber nie sollen sie sich anmaßen, sich vorstellen zu können, was es bedeutet, wenig oder kein Geld zu haben. Nie sollen sie von der Bedeutungslosigkeit von Geld faseln, weil sie keinen Tau davon haben, was arm sein bedeutet. In Österreich heißt es, in einem Haushalt mit einem Einkommen unter 848 Euro zu leben, ein Betrag, den der Durchschnittsreiche pro Monat vermutlich für die Esstischdeko ausgibt.
Ob Grasser sich mit 848 Euro im Monat „sehr glücklich fühlen“ würde, wage ich zu bezweifeln. Mehr als eine Million Österreicher müssen aber mit diesem Betrag oder weniger überleben: Wohnung, Essen, Mobilität, Kleidung, Kinderbetreuung; Kurse, Sport, Spiel. Ja, Geld ist völlig bedeutungslos, wenn man genug davon hat.