Doris Knecht
| 03/07
| Frauen / Männer
| Kinder und andere Mitbewohner
| Kurier-Kolumne
Richter meint, und einige Leser teilen bzw. bestätigen diese Einschätzung meines Freundes, ich überforderte viele Leute mit meinem Liberalismus in Sachen Homosexualität. Richter meint, wenn man, wie er, als Kind im Internat mitbekommen habe, wie dort Buben belästigt, vergewaltigt, kaputt gemacht wurden, habe man zu Homosexualität eine andere Einstellung. Er sei, sagt Richter, deshalb nicht homophob; rechtliche Gleichstellung für homosexuelle Paare: sofort. Aber dass sie Kinder adoptieren dürfen... hm. Damit habe er Schwierigkeiten. Er sei, als Freidenker und Realist, nicht stolz darauf, aber in seiner Normalität könne er das , wie andere eben auch, nicht ohne weiteres unterbringen. Ich sage: gut, Richter, reden wir doch darüber.
Ja, ich kann nachvollziehen, dass traumatische Erfahrungen zu lebenslangen Aversionen führen können; wie bei Leser R., der als Junger von Schwulen belästigt wurde und fortan sein Leben lang an Schwulenallergie laborierte. Allerdings gebe ich zu bedenken, dass circa jede Frau irgendwann in ihrem Leben Opfer männlicher Belästigung wird, erträglich oder schlimm, aber die meisten Frauen schaffen es, psychisch damit soweit fertig zu werden, dass der Männerhass sie nicht final ins Kloster treibt. Und natürlich spricht man, weil es viele sexuell gestörte Kerle gibt, heterosexuellen Männern nicht grundsätzlich die Fähigkeit ab, ihre Kinder auf liebe- und verantwortungsvolle Weise groß zu ziehen.
Homosexuelle aber werden für Missetaten Einzelner generalbestraft; worüber man einmal reden sollte. Über die Diskrepanz zwischen den in diesem Zusammenhang gern strapazierten schöpfungsgeschichtlichen Männlein-Weiblein-Fortpflanzungsutopien und der Realität moderner Reproduktionsmedizin reden wir dann ein ander Mal.