Doris Knecht
| 03/07
| Kurier-Kolumne
Meine Neugier an der persönlichen Energiebilanz des Umweltministers blieb bislang unbefriedigt: Der Mann, der mich und den Rest Österreichs aufforderte, zum Zwecke des Klimaschutzes keine Flugzeuge mehr zu benutzen, möchte nicht sagen, was er privat und beruflich so zur Verringerung des CO2-Ausstoßes beiträgt. Muss er natürlich auch nicht.
Jeder andere muss jetzt zumindest darüber nachdenken. Offenbar hat schlagartig das bewusster-Leben-Zeitalter angefangen, und jetzt geht es nicht mehr um die Wellness des Individuums, sondern um die des Planeten. So soll es sein, denn ungeachtet einiger unermüdlicher Warner – bis eben hießen sie noch Ökoquerulanten, Umweltfetischisten, Biofreaks oder Strickpullovergrüne – lebten wir alle sorglos und ungeniert: Wir fanden, das hätten wir verdient, etwa so, wie der Ex-Finanzminister findet, er hätte sich die Fortzahlung seines Ministergehaltes verdient: In beiden Fällen weiß hinterher keiner mehr so recht, warum eigentlich.
Aber jetzt ist die Epoche des ökologischen Unrechtsbewusstseins angebrochen, und am Programm stehen viele Gewissenbisse über den eigenen Beitrag am Ruinieren von Natur und Ozonschicht. Und eine allgemeine Schärfung des Bewußtseins für die individuelle Partizipation an der drohenden Klimakatastrophe. Die Briten etwa wollen Lebensmittel, die per Flugzeug transportiert wurden, künftig mit einem Pickerl markieren. Die „Süddeutsche Zeitung“ listete die CO2-Folgen alltäglicher Aktivitäten und ihrer umweltschonenderen Alternativen minutiös in Gramm auf; viel Futter fürs eigene Schuldgefühl.
Klimaschutz ist jetzt sexy, was sich bitte unbedingt auf den Stadtverkehr auswirken soll: Ein paar Prozent mehr Radler würden nämlich auch Wien sexier machen.