14.03.07

Jaaa, suuuuuper

Doris Knecht | 03/07 | Falter-Kolumne | Frauen / Männer | Kinder und andere Mitbewohner | Schuld und Sühne

Jetzt ist der Eislaufplatz endlich weg, und das ist gut, denn ich muss nicht mehr mit den Kinder eislaufen gehen und Sie können mich nicht mehr dabei betreten, wie ich vor dem Langen knie und ihm die Schuhe zubinde. Die öffentliche Brutalfeministin als private Dienerin des Herrn, das hätte Ihnen gefallen. Trotzdem führe ich zu meiner Verteidigung an, dass ich das nicht immer mache. Tatsächlich habe ich es nur dieses einzige Mal gemacht, denn der Lange hatte Hexenschuss und litt außerordentlich, woran ich unschuldig war, aber daran, dass er jetzt immer noch Hexenschuss hat, bin ich schuld, was das Leiden des Langen verschlimmert und verlängert. Ich bin schuld, denn ich hatte ihn zum Eislaufen gezwungen, ungeachtet der Tatsache, dass er es nicht kann. Was ich tatsächlich vergessen hatte, oder verdrängt, um mir den Albtraum zu ersparen, allein mit zwei eislaufunkundigen, aber unermüdlichen Fünfjährigen eiszulaufen. Sie wissen, wie anstrengend es ist, wenn ein Kind, das nicht eislaufen kann, sich in Ihren Arm hängt. Sie haben keine Ahnung, wie ermüdend, wie schmerzhaft, wie gemein es ist, wenn es zwei tun. Es führt, wenn diese Kinder darauf bestehen, jetzt doch noch mal aufs Eis zu dürfen, zu einer vorübergehenden Totalausblendung von längst erworbenem Wissen, einem selbstschützerischen Vergessensblitz oder so, ein von der Psychologie gewiss restlos erforschtes Phänomen. Mittlerweile weiß ich wieder, dass der Lange nicht eislaufen kann, vor allem, seit ich ihn mit dem Rücken voraus aufs Eis krachen sah. Ein unschöner Anblick, der nicht meine einzige Strafe blieb.
  Apropos Strafe, Schmerz und Sport. Die Kinder machen einen Schwimmkurs, ihren zweiten schon, sie sind jetzt keine Frösche mehr, sondern Wale, und nachdem sie 18 Stunden absolviert und wir 400 Euro investiert haben, saufen sie nicht mehr ab wie Felsbrocken. Für die 400 Euro saufen sie jetzt ab wie große Steine, und weil das zu unserer Verhöhnung offenbar nicht ausreicht, müssen der Lange und ich dafür abwechselnd wöchentlich mit aufkrempelten Hosen auf Liegestühlen leiden, im köstlichen Odeur des Hallenbads. Aus der Ferne bewinken und belügen wir von Zeit zu Zeit unsere Kinder (jaaaa, super machst du das, suuuuper!), hin und wieder springen wir auf und überlegen, ob wir lossprinten und ins Wasser hechten sollen, um das Kind zu retten, dass da grad relativ unbemerkt absäuft wie ein Stein. Immerhin hat sich der Umgang mit den Kindern nach einer kleinen Intervention meinerseits stark gebessert; u.a. weiß eine der Co-Trainierinnen seit der 15. Trainingsstunde, dass „der Kleine da, der immer heult“ (eine glatte Unterstellung) ein Mädchen ist, das gerne Bubenbadehosen, aber auch eindeutig einen Mädchennamen trägt, was man wüsste, wenn es einen stark genug interessierte, dass man das Kind danach fragte. Insgesamt bin ich mir ein wenig unsicher, ob die 400 Euro gut investiert waren.
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» 17.03.07 15:43
VeraR

>Immerhin hat sich der Umgang mit den Kindern nach einer kleinen Intervention meinerseits stark gebessert;

Viel Glück damit. Ob das im Stadthallenbad oder sonst an einer Sportstätte von bleibender Wirkung sein wird, bezweifle ich aber. Der Ton, der in solchem Umfeld mit den Kindern angeschlagen wird, ist nämlich, wies ausschaut, meist zum Verzweifeln - Anbrüllen, verbal Niedermachen, strafweise Liegestütze, ganze Gruppe soundsoviel laufen, weil eine irgendeine ein Ausrüstungstrumm vergessen hat - dürfte alles total üblich sein, sagt der befreundete nette Sportlehrer, den mein Mann, vollends geschockt vom Umgangston in dem Sportverein, wo unsere Tochter sich dringend einschreiben möchte, neulich dazu befragt hat.

Österreich halt, und das historische pädagogische Erbe.

Aber Schwimmen lernen sie im Stadthallenbad, jedenfalls meine Tochter hats gelernt, das wird schon noch.

Liebe Grüße

VR

» 20.03.07 13:52
urs

Ich unterrichte jahrelang selbständig als schwimmlehrerin,.Ich weigere mich seit 20 jahren - gruppen mit mehr als 6 kinder zu unterrichten, da ich dies als unverantwortlich empfinde.

Es steckt in vielen angebotenen kurse - auch ein " system" bzw. eine ideologie dahinter die ich nicht vertreten kann.

Für mich ist es wichtig, das kinder freude im wasser haben und auch wasser schätzen. Sich der gefährlichkeit des wassers auch bewusst sind.

Seit ich ein kind in der intensivstation erlebt nach einem badeunfall erlebt habe - welches reanimiert worden ist, ist es mir sehr wichtig, das kinder tauchen und schwimmen können.

Aus meiner jahrenlangen erfahrung haben kinder schnell herausgefunden, wie der /die lehrerIn selbst zum schwimmen steht. Ja - dies wirkt sich natürlich auch auf den preis aus.

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