29.03.07

Nicht selten nur ein Unfall

Doris Knecht | 03/07 | Frauen / Männer | Kinder und andere Mitbewohner | Kurier-Kolumne | Schuld und Sühne

Sie ist der sicherste und der gefährlichste Ort der Welt. Eine zu haben kann ein Segen sein, für viele ist es ein lebenslanger Fluch.  Sie kann ein Kraftwerk für Unmengen von Liebe sein, und für  unfassbar viel Hass und  Gewalt. Sie macht Menschen stark und sie zerstört sie für immer.Die Familie ist die beste und die furchtbarste gesellschaftliche Einheit.
Konservative Politik neigt dazu, das Vater-Mutter-Kinder-Familienidyll zu glorifizieren, es unterm Glassturz beschützen zu wollen. Aber ständig muss man sich fragen, ob die Familie als  gesellschaftliche Basisorganisation noch funktioniert.Ob Familie nicht oft nur ein Zufall ist und nicht selten ein unglücklicher. Ein Unfall.
In Wien wurde letzte Woche ein Vater von seiner Frau, seinem Stiefsohn und seiner Schwiegermutter in einer Gewaltorgie umgebracht: Die Tat läßt ahnen, dass ihr ein wenig glückliches  Familienleben voranging. In Deutschland haben ein 33jähriger Vater und eine 21jährige Mutter ihre 14 Monate alte Tochter verhungern und verdursten lassen; als der Mutter am Samstag etwas merkwürdig vorkam und sie mit ihrer Tochter zum Arzt ging, war das Kind bereits tot. Es spricht nicht unbedingt für die Familie als soziale Zelle, wenn manche ihrer Mitglieder  nicht einmal bemerken, dass andere nicht mehr am Leben sind. 
 Ist die Familie so kaputt, weil eine verrohte oder gleichgültige  Gesamtgesellschaft  keine regulierende,  reparierende Wirkung mehr auf ihre kleinsten Zellen hat? Oder sind schon so viele dieser Zellen zerstört und funktionsuntüchtig, dass darüber ganze  Bevölkerungschichten  verwahrlosen? Was lässt sich dagegen unternehmen? Wir haben wohl nichts Besseres als die  Familie: Aber wir müssen sie besser machen. Und sicherer.
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