2.03.07

Oben schön, unten Flokati

Doris Knecht | 03/07 | Frauen / Männer | Kinder und andere Mitbewohner | Kurier-Kolumne

Oben ist das Stadthallenbad ist unter den öffentlichen Dädern eines der schönsten:  Durch die kühne Deckenkonstruktion aus roten Stahlträgern und Glas fällt üppig das Tageslicht, das Becken ist lang, das Bad wirkt, obwohl  über 30 Jahre alt, immer noch modern. Also oben.
Leider hat der berühmte, 2004 verstorbene Architekt Roland Rainer, nach dessen Plänen das Bad  zwischen 1972 und ’74 errichtet wurde, entweder fix damit gerechnet, dass bald alle Wiener Schulen eigene Hallenbäder haben würden. Oder er ahnte einfach nicht, dass im 21. Jahrhundert alle Mädchen zwischen drei und 18 dem Prinzessinnenlook verfallen und ihre Haare popolang tragen würden. Kurze Haare sind bei Teenagerinnen eindeutig nicht mehr angesagt, wie ein Lokalaugenschein im Stadthallenbad zeigt.
Der beweist weiters,  dass Frisurentrends in der Stadtplanung unbedingt berücksichtigt werden sollten.  Im Stadthallenbad  wandert man über eine Fliesenserpentine aus der prächtigen Halle in den brutal schlichten den  Bauch des Bades, und watet dort unweigerlich durch einen dicken Damenhaar-Flokati. So fleißig können die Kittelschürzendamen  gar nicht kehren, dass es einem die Mädchenfrisuren nicht in Büscheln um die Zehen wickeln würde.
Immerhin hat man, während man entweder auf eine freie Dusche (1972 fand man: ca . 20 Duschen sollten für ein Volksbad reichen; 2007 findet man: es macht nichts, wenn davon drei oder vier kaputt sind) oder einen Platz unter dem  großen Rohrfön wartet, genug Zeit, sich die Schülerinnen-Haartrachten aus den Zehenzwischenräumen zu kletzeln. Was exakt so grauslich ist, wie Sie es sich jetzt gerade vorstellen. Unten ist das Stadthallenbad eines der unschönsten.
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