Doris Knecht
| 03/07
| Arbeit & Wirtschaft
| Kurier-Kolumne
| Schuld und Sühne
Mit großem Interesse vernahm ich dieser Tage Ihren Vorschlag, die Österreicher sollten auf Fernreisen mit dem Flugzeug verzichten. Bravo! Ja, an die Selbstverantwortung der österreichischen Bevölkerung muss man appellieren, auf dass dieser endlich bewusst werde, wie sehr der Einzelne für Erderwärmung und Klimawandel mitverantwortlich ist.
Zudem liegen Sie mit Ihrer mutigen Verkündigung unbequemer Wahrheiten perfekt im Trend: Erst vergangene Woche erhielt der amerikanische Ex-Vizepräsident Al Gore einen „Oscar“ für seinen Film „Eine unbequeme Wahrheit“: Klimaschutz kleidet den politischen Herrn von heute ungemein, und zwar, wenn ich das sagen darf, gerade auch Sie, geschätzter Herr Minister. Dass dem braven Herrn Gore nun vorgeworfen wird, er lebe in einem großen Anwesen mit beheiztem Pool und fliege gern mit großen Privatjets herum, finde ich ungeheuer ungerecht.
Denn selbstverständlich ist die Mobilität mancher Menschen gemeinwohldienlicher als die anderer. Es käme mir also nie in den Sinn, Sie, werter Herr Minister, zu fragen, wie Sie so leben, heizen und reisen, und ob Sie per Dienstwagen, Öffi, Rad oder pedes in Ihr Umweltminister-Büro und von dort zu auswärtigen Terminen gelangen. Schließlich haben Sie kürzlich mal erwähnt, Sie führen „so oft es geht mit dem Rad“, und wie oft es geht, geht mich nichts an. Oder welches Verkehrsmittel Sie am Wochenende zu Ihrer Familie nach Niederösterreich bringt. Oder wie oft Sie mit Flugzeugen in nahe- und an der Bahn gelegene Städte wie Salzburg, Innsbruck, Prag oder München reisen, aus der Flughafenperipherie abgeholt und mit dem Auto in die Innenstadt gefahren werden.
Aber interessieren täte es mich schon,
Ihre Doris Knecht