Doris Knecht
| 03/07
| Arbeit & Wirtschaft
| Kurier-Kolumne
Sprachalarm in Deutschland, CDU-Politiker sorgen sich ums Deutsche: Die Durchseuchung mit englischen Begriffen müsse gebremst, Regierung und Wirtschaft sollten ermuntert werden, in Gesetzestexten, Kampagnen und Gebrauchsanweisungen wieder Wert auf eine verständliche, deutsche Ausdrucksweise zu legen. Der Vorstoß kommt periodisch, unberechtigt ist er dennoch nicht; und das gilt nicht nur für Deutschland.
Folgende Begriffe sind einer dünnen Tageszeitungsfarbbeilage entnommen – einer österreichischen wohlgemerkt: Shoe-Addict, Fashion-Tempel, Location, Performance, Leading Lady, Life-Style-Queen, Learning-By-doing, Model, Team, Life & Style, Concept-Store, Streetwear, cool, sexy, Designer-Outlet, Shop, shoppen, Single, Weekend, Top-Label, chatten, Fatburner, Trends, Charts, Patchwork-Familie, Live-Show, Show-Start, Warm-Up, backstage, Latin-Feeling, Lover, Outfit, Tracks, on air, TV-Movie, Comedy-Talk und natürlich Dancing Stars, die wunderbare Wortschöpfung des ORF.
Man braucht kein Purist zu sein, um dieses Denglisch, den auch bei Journalisten immer hipperen Mischmasch aus Deutsch und Englisch, allmählich ein wenig scary zu finden. Ja, klar: Eine Sprache ist kein Museum, sie lebt, verändert und entwickelt sich durch die Einflüsse, denen sie ausgesetzt ist. Die globale Kommunikation übers Internet erfordert eine global verbindliche Begrifflichkeit.
Was dazu führt, dass man schon ganz unbewusst ins Deunglisch fällt: bestellt in der Früh einen coffee-to-go, stresst sich in Job und Meeting, strebt nach Work-Life-Balance, geht lunchen, hält sich fit beim Workout, relaxt bei der Happy Hour undflirtet beim Event. Schaffen wir überhaupt noch einen einzigen Tag ohne Denglisch? Einen Versuch wär’s wert.