25.03.07

Teuflische Vorfreude

Doris Knecht | 03/07 | Kunst & Kultur | Kurier-Kolumne | Schuld und Sühne

Freu ich mich schon auf den Song Contest. Dem Song Contest haftet seit jeher das Skurrile an, was heißt: Er lebt davon, dass er eine völlig bizarre Veranstaltung ist, ein Lieder-Wettbewerb  vollgepackt mit Beiträgen und Teilnehmern, von denen der Großteil am freien Markt nicht den Hauch einer Chance hätte. Vermutlich ist das der Grund für seinen Erfolg, und am besten lässt sich die Faszination an den Exponaten des Songcontests mit jener an den  Präparaten im Wiener Narrenturm vergleichen: Es ist entsetzlich, es ist grauenhaft, es wird einem fast übel, aber man kann den Blick von dieser Konzentration künstlerischen Grauens und choreographischer Brutalität einfach nicht abwenden.
Leider kommen immer mehr Rundfunkanstalten auf die öde Idee, richtige Musiker zum Songcontest zu entsenden. Der ORF glücklicherweise nicht. Aber die Schweiz, die ja mit der historischen Schuld leben muss, via Songcontest die singende Telefonstörung Celine Dion über die Welt  gebracht zu haben, schickt heuer DJ Bobo.
Wogegen in der Schweiz jetzt schon  30.000 Unterschriften gesammelt wurden: Denn DJ Bobo versetzt die Schweizer mit einem Vampirsong mit dem traumatisierenden Refrain „Vampires Are Alive“ in Angst und Schrecken: uhuhu! Aber mit Okkultismus und Satanismus sei nicht zu spaßen, sagen die Initiatoren dieser gespenstischen Aktion, denen offenbar bislang entgangen ist, dass DJ Bobo in der Rangliste der teuflischsten Popikonen den ungefähr sechsmilliardsten Platz hält: Knapp hinter dem österreichischen Teilnehmer, den der ORF zu einem großen internationalen Bewerb schickt, nachdem er eher zeitig aus einem kleinen nationalen flog. So eine teuflische Logik. Typisch Songcontest. Ich freu mich schon so.

 

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