Doris Knecht
| 03/07
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Heute: Unerfreuliches aus der Welt des Konsums. Frau T. war mit einer Freundin aus, was an sich noch nicht unerfreulich ist. Die Damen hatten ein Ziel, das Cafe Drechsler. Endlich wieder mal im Cafe Drechsler sitzen, endlich das neue Cafe Drechsler sehen, das nach seiner Schließung ja lange leerstand, und dann zu jedermanns Verblüffung nicht von einer Fastfood-Kette, sondern von Leuten übernommen wurde, die Respekt vor dem Kaffeehaus im Allgemeinen und dem legendären Drechsler im Speziellen zu haben schienen, sowie das Kapital, es mit Hilfe eines gefeierten britischen Architekturbüros zu erneuern und auf zeitgemäße Weise weiterzuführen
Oder et was in der Art, wie die Freundinnen feststellen mussten, nachdem sie sich an einem Samstag Abend im Drechsler getroffen, dort gegessen, getrunken und sich „im neuen Ambiente sehr wohl gefühlt“ hatten. Ziemlich genau bis 22 Uhr.
Ziemlich genau um 22 Uhr sei ein Kellner an den Tisch gekommen und habe gefragt, ob man noch etwas zu konsumieren wünsche, was die Damen abschlägig beschieden, worauf der Kellner augenblicklich die Rechnung auf den Tisch gelegt und noch einen schönen Abend gewünscht habe. Das verwirrte die Freundinnen. Sie wollten wissen, ob das ein Rausschmiss sei, worauf der Kellner stereotyp geantwortet habe, wenn die Damen nichts mehr konsumierten, wünsche er ihnen einen schönen Abend, was die Damendanach vor lauter Zorn nicht mehr hatten.
Denn das ist nun so überaus undrechslerisch, so gar nicht Wiener Kaffeehaus, so uncharmant effizienzorientiert, dass man befürchten muss, das gute, alte Drechser sei vielleicht doch dem turbokapitalistischen Schnellimbiss-Prinzip zum Opfer gefallen: Es hat sich nur fein gemacht.