Doris Knecht
| 03/07
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| Schuld und Sühne
Dem Manfred Stallmajer könnte das egal sein. Der führt das spitzenfeine, von Stars bevorzugt beehrte Hotel „Das Triest“, und sein neues Projekt, das kürzlich frisch renoviert wiedereröffnete Cafe Drechsler ist, was man so hört, ungefährt 23 Stunden am Tag vollbesetzt. Dem Manfred Stallmajer könnte es (und dem durchschnittlichen Wiener Wirt wärs das) komplett egal sein, dass dort zwei von circa 100.000 Gästen unzufrieden raus sind; Schicksal, schmecks.
Es ist ihm nicht egal. Kürzlich berichtete ich in dieser Kolumne von zwei Frauen, die im neuen Drechsler gegessen und getrunken hatten und, als sie danach nichts mehr bestellen wollten , vom Kellner freundlich hinauskomplimentiert wurden. Ich benutzte dabei die Worte „Turbokapitalismus“ und „Schnellabspeis-Prinzip“, und kurz danach rief mich Drechsler-Wirt Stallmajer an und drohte mir nicht mit seinem Anwalt. Sondern er meinte extrem freundlich, dass er die Sache aufklären wolle, weil er das Drechsler sehr wohl als ein typisches Kaffeehaus inkl. aller gemütlichen Wiener Kaffeehaus-Eigenschaften führen wolle. Er glaube, es handle sich um ein Missverständnis, ob ich ihm bitte einen Kontakt zu dieser Dame herstellen könne. Ich konnte, und Stallmajer rief sogleich die Frau an, ließ sich die Geschichte nochmal erzählen, recherchierte im eigenen Haus, fand heraus, dass es sich um ein Schichtwechsel-Kommunikationsproblem gehandelt hatte, kontaktierte die Dame abermals, entschuldigte sich und lud die zwei Frauen ins Drechsler zum Essen: Um den einen schlechten Eindruck ganz auszuradieren. Was ihm gelang: Die Kundin ist, wie sie mir sagte, von dieser Reaktion höchst angetan.
Ich bin auch beeindruckt von diesem extrem unwienerischen Service-Verständnis: Respekt. Das darf sich in Wien ruhig durchdrechseln.