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Doris Knechtder doris-knecht-blog: geschriebenes, gefundenes, beschwerden, einwände, trost, rat, lob, tadel und was sonst so anfällt. aus: falter, kurier, presse, profil, tagesanzeiger, anderswo und der werkstatt.
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27.04.07

Letztes Jahr war das noch anders

| Comments (1) | 04/07 | Kurier-Kolumne

Auf der kleinen Grünfläche in der Nähe meiner Wohnung kann ich jetzt manchmal am späten Nachmittag ein paar Mädchen beobachten, Zehn-, Zwölfjährige, die dort ihre Hamster und Meerschweinchen aus ihren Käfigen lassen: Es ist ein Gelächter und Gequieke und Herumgespringe,  und es macht Freude, ihnen zuzusehen.
Das war letztes Jahr noch nicht. Letztes Jahr war diese Grünfläche ein Hundeklo, übersät von Kothaufen, kein Kind hätte dort spielen können. Wenn man von dieser winzigen Grünfläche auf ganz Wien schließt, könnte man sagen: es ist ein bisschen besser geworden. Leider beobachte ich  nach wie vor gelegentlich den Herrn mit dem Geländewagen, der kommt immer angefahren, parkt sich vor der Grünfläche ein, macht die Heckklappe auf, lässt seinen  Hund aus dem Wagen und dann in die Wiese springen, dann lehnt  er sich lässig an sein Auto  und schaut seinem Hund zu, wie der die Wiese kackt, und der Herr ist völlig immun gegen alle Vorschläge, die mit Aufheben und Entsorgen zu tun haben: Einmal hat er gesagt, er zeigt mich an, wenn ich ihm noch länger deppert komme.
Aber bei der jungen Frau, der ich letztes Mal zugerufen habe, ob sie das bitte aufheben kann, hab ich mich  entschuldigt, denn das hatte sie bereits, sie hielt ihr volles Sackerl sin der Hand: Verzeihung, hab ich nicht gesehen!  Das fällt mir auch auf, dass immer  mehr Hundebesitzer ein Sackerl mithaben und es auch benutzen. Auch das war letztes Jahr  noch nicht.
Deshalb ist das keine Kolumne über rücksichtslose Hundebesitzer, sondern über  brave, verantwortungsvolle. Und ich mache es jetzt mal wie meine Freundin K., die Hundehalter immer mit ihrem großen Lächeln anstrahlt und sagt: „Danke, dass Sie das aufheben!“ Sehen Sie mich strahlen: Danke, dass Sie das aufheben. 
25.04.07

Second Life

| Comments (0) | 04/07 | Falter-Kolumne

Es ist ein schöner Anblick, wie der Herr Wiener Intellektuelle die Spitzhacke in die steinige Erde rammt, im Versuch, eine kleine Birke ihrer Heimaterde zu entwurzeln. Er wirkt glücklich. Die Birke steht dem Horwath in seinem Waldviertler Hof im Weg; der Herr Wiener Intellektuelle Schnitzler hat vor seinem Waldviertler Hof eine Birke zuwenig. Die Frau Wiener Intellektuelle steht dabei, gibt komplexe Anweisungen und scheucht die kleineren Kinder aus dem Schwingradius der Spitzhacke, während der größere Intellektuellen-Bub schon mal einen perfekten Seemannsknoten an Horwaths alten 15er-Steyr seilt. Das ist unser Second Life: An Wochenenden schwingen wir gern den Spaten, rupfen Bäume aus und fahren mit dem Traktor. Nur der Lange macht unterdessen lieber Tsatstsiki; ist besser so.
  Anderntags weckt uns um viertel nach sechs eins der Kinder, um uns davon in Kenntnis zu setzen, dass wir beim Einschlafen anders lagen. In diesem Durcheinander könne sie nicht weiterschlafen. Ich dann auch nicht mehr; also helfe ich dem Horwath beim Aufräumen des ... weiter lesen ...


copenhagen.unlike.net
Never get lost in Copenhagen

20.04.07

In der großen Stadt

| Comments (0) | 04/07 | Kurier-Kolumne

Meine  Freunde sind  noch kaum aus dem Zug gestiegen, da sagen sie schon, dass sie ins Grüne wollen. Wie, ins Grüne? Ihr habt ein Mal im Jahr für einen Tag in Wien zu tun und sucht dann dort das Grüne? Lebt ihr nicht alle Tage im Grünen, in eurem alpinen Westen? Ja, sagen meine Freunde, das tun sie, und zwar aus Überzeugung, und  in Wien  sei es ja nicht auszuhalten, nichts als Häuser, Straßen und Gestank,  keine Aussicht nach nirgends,  wirklich furchtbar, sie wollen lieber an die Donau oder so, irgendwohin , wo’s grün ist und besser riecht. Ich sage, also gut, ihr Landeier, packe sie in die U-Bahn und fahre mit ihnen an den Naschmarkt.
Was es hier alles gibt. Was ist denn das? Und das da? Meine Freunde schauen, was der Ziegenkäse  kostet (der eine hat daheim Geißen und macht auch Käse), schnüffeln an Kräutln, Gewürzen, Würsten und Fischen und  kaufen eine merkwürdige Frucht, die sie mit dem Sackmesser auskratzen: Probier mal, das schmeckt nicht schlecht.
Dann setzen wir uns  vor einen kleinen Japaner, dann essen  meine Freunde, beide in den 40ern, zum ersten Mal im Leben mit Stäbchen und zum ersten Mal Sushi. Sind überrascht, wie weich das ist:  der Fisch, den sie aus dem  Bach holen, ist immer hart. Dann finden sie, dass man in so einer Stadt doch viele interessante Möglichkeiten habe, und die Häuser da drüben: sehr schön. Haha; jetzt hab ich euch.
Am Abend  gehen meine Freunde Go-Kart fahren und spielen dann mit ihrer Band im Lokal Fluc. Hinter ihnen sieht man durchs Fenster die Züge über den neuen Praterstern fahren, vor sich haben sie, wie sie auf der Bühne stehen, riesig und hell erleuchtet das Riesenrad im Blick. Und die Leute sind  nett. Schon schön eigentlich, dieses Wien. Sehr schön sogar, sag’ ich doch.
20.04.07

Und jetzt zu Platz 3

| Comments (0) | 04/07 | Kurier-Kolumne

Österreich habe, sagte Österreichs Kanzler  beim SPÖ-Parteitag „einen Aufholbedarf, was den Anstand betrifft“. Gusenbauer bezog sich auf die Sache mit den Eurofightern und die unschöne Angewohnheit einiger  Militärs, Politiker und  Berater, die  Herkunftsangaben auf Geschenken nicht so genau zu studieren oder sie sich legal zu schwindeln: Denn möglich ist es ja, dass einer wie der  Airchief Wolf sich wirklich einzureden vermag, er habe hier eine lautere Herzensentscheidung  für eine Fliegertype getroffen und dort ist  halt einer, der seiner Frau gern etwas Geld geben will; reiner Zufall, dass der so bussibussi mit dem  Fliegertypenkonzern und so weiter.
Anders kann man es sich ja eigentlich nicht erklären, warum die am Ende so leicht zu derwischen sind: Der Wille zur Vertuschung setzt ja  ein Vertuschungsbedarfsbewusstsein voraus, das Wissen über das  Kriminelle am eigenen Tun. Der Verdacht drängt sich auf, dass diese Leute glauben, sie handelten rechtens oder wenigstens im Rahmen einer im Ertappensfall geduldeten Kavaliersdelikthaftigkeit. Insofern ist des Kanzlers  Appell an Moral und Anstandsgefühl überaus notwendig, und es soll sich ihn bitte auch jener Herr hinter den Ohrwascheln notieren, den meine Freundin S. vor ein paar Tagen dabei beobachten musste, wie er in der U-Bahnstation Stephansplatz in eine Ecke urinierte.
Womit wir uns bequem auf Platz 3 der kürzlich hier begonnenen Unarten-Beschwerdeliste hanteln. Platz 1: auf den Boden spucken, Platz 2: überall Müll herumliegen lassen, Platz 3 also:  an Hauswände, Parkbäume oder in U-Bahnstationen brunzen. Böse! Denken Sie im Ernstfall an den Kanzler, der mahnt:  „Wir wollen nicht, dass hier saure Wiesen oder Sümpfe entstehen.“ Das gilt insbesondere für U-Bahnstationen.
19.04.07

Jedem sein Schießgewehr

| Comments (0) | 04/07 | Kurier-Kolumne

Nur mal so geraten: Der Amokläufer von  Virginia wird vermutlich ein Einzelgänger und Waffennarr gewesen sein, der gerne Killerspiele am Computer spielte, sich verfolgt fühlte und merkwürdige Tagebücher verfasste. Die Täterprofile solcher Fälle ähneln sich gern;  wobei die Sache mit dem PC-Spielen, ich weiß schon, auf etwa 90 Prozent der männlichen Jugendlichen in Amerika und anderswo zutrifft und mehr als 99 Prozent von denen laufen nicht Amok.
Im Österreich 100 Prozent, was unter anderem daran liegt, dass bei uns die meisten jungen Leute keinen privaten Zugang zu Waffen haben, und zum Glück will das kaum jemand ändern. Der US-Präsident dagegen versicherte das amerikanische Volk schon seiner ersten Reaktion auf den Amoklauf, dass das übrigens kein Grund sein, es zu entwaffnen, keine Angst. Jedem sein Schießgewehr, das sei schon richtig so; 32 Tote hin oder her.
In der Schweiz  aber wird die Entwaffnungsdebatte jetzt richtig laut. Etwa 300.000 Militärwaffen plus Munition werden dort zuhause aufbewahrt. Eine Petition der Zeitschrift Annabelle und eine Studie der Universität Lausanne, die Ende 2006 zu dem Ergebnis kam, dass  in der Schweiz fast 300 Menschen jährlich durch Militärwaffen sterben, führte zu einer Volksinitiative, die diese Schusswaffen endgültig aus den schweizer Kleiderschränken verbannen will. Zu spät für einen 71jährigen Mann: er wurde   vergangene Woche in einem Schweizer Restaurant von einem 26jährigen Amokläufer ermordet, der mit seinem Militär-Sturmgewehr wahllos auf die Gäste feuerte und vier weitere schwer verletzte. Schusswaffenverfügbarkeit erzeugt  Mörder und Selbstmörder, verletzt Menschen, macht sie  tot. 300 oder 32 oder einer: zu viel, zu viel, zu viel.
18.04.07

Nur noch zwölfundachtzig Minuten

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Bis drei lege ich auf und trinke Bier, um halb vier bin ich im Bett, gegen vier kann ich endlich einschlafen, um acht schickt mir der Lange die Kinder ins Zimmer, um neun fahren wir ins Waldviertel. Die ganze Fahrt hindurch stellen die Kinder hinter mir ohne Unterlass Fragen aus dem wie-lange-wie-weit-Komplex. Mämäääää? Ja, Kinder. Müssen wir noch tausend Kilometer fahren? Nein, Kinder. Nur zweihundertzweiundzwanzig Kilometer?Oder sieben Miniarden? Mämäää, wie weit ist es noch? Etwa 80 Kilometer, Kinder. Ist das weit, 80 Kilometer?, wie lange dauert das?, 1000 Stunden?, oder zweihundertzweiundzwanzig? Oder sieben Miniarden?, Mämäääää!, wie lange ist eine Stunde? Zweihundertzweiundzwanzig Minuten? Oder zwölfundachtzig Sekunden? immer mit diesen glockenhellen Stimmen in der sicheren Schmerzfrequenz. Der Lange konzentriert sich stur auf den Verkehr und spielt dazu in tüchtiger Lautstärke das gesamte neue Fehlfarben-Album „Handbuch für die Welt“, zwölf lange Lieder lang quäkt mir Peter Hein das Gehirn schlammig, hinten die Kinder, vorne Hein und als wir nach eineinhalb Stunden endlich ankommen, macht der Lange mit den Kindern gleich einen Spaziergang zum Bach hinunter und rettet so sein Leben.
  Das war wohl die Rache. Der Lange fand, er habe mit dem abflussgebrechensbedingten Küchenumbau genug gelitten, während ich ja am Land zehn Tage Halligalli ... weiter lesen ...
16.04.07

Was vom Radl übrig blieb

| Comments (0) | 04/07 | Kurier-Kolumne

Wie ich dann vor meinem Rad stehe, ist es mir doch  nicht egal. Weil von meinem Rad, meinem schnittigen, noch fast nagelneuen Rad ist  nicht viel übrig. Wenigstens ist es versichert, und immerhin: das Schloss ist noch da; braves Schloss. Und der Rahmen, den ich damit an einem Kellergitter befestigt hatte.  Und die Räder, bei denen die Diebstahlsicherung offenbar verfangen hatte. Der absolut diebstahlsicher festgenagelte Sattel: weg. Der diebstahlsichere Lenker: weg. Die Gangschaltung, die Zahnräder, der Lenker: weg, weg, weg. Ein paar gekappte Kabel schwankten  traurig im Frühlingswind. Als ich  das Wrack später in den Kofferraum  lade, fällt es auseinander. Hurra.
Zuerst aber: zur Polizei, Diebstahl anzeigen. Was eine freudvollere Sache ist, als zu erwarten war,  nachdem mir eine Freundin kürzlich erzählt hatte, die Anzeige des Diebstahls ihres Rads (bei ihr: das komplette) habe mehr als eine Stunde gedauert. Bei dem netten, fingerfertigen Beamten, an den ich gerate, dauert es nur  eine halbe. Schneller geht es  nicht, denn   dem  extrem sperrigen Computerprogramm ist es einerlei, dass ein Fahrraddiebstahl hierzustadt eine Routine ist, die  jährlich zehntausend Mal angezeigt wird. Sattelfarbe: äh, schwarz. Material: tja; Leder? Nein, warten Sie, war wohl irgendein Kunststoff. Ok: Kunststoff. Usw.  Danach wird der Polizist, sagt er, eine weitere halbe Stunde brauchen, bis der Anzeigendienstweg erledigt ist. Meistens für nichts, denn  die Aufklärungsquote ist minimal.
Danach bringe ich die Reste meines Rads zu meinem Händler,  der so etwas nicht zum ersten Mal sieht, aber angesichts  Gründlichkeit der Demontage trotzdem überrascht wirkt. Hui. Präzisionsarbeit. Am Mittwoch werde ich es komplettiert wiederkriegen. Und ihr Diebe: Denkt nicht mal daran.
15.04.07

Jetzt viel deppenoffener

| Comments (0) | 04/07 | Kurier-Kolumne

In seinem Blog, den Rainald Goetz täglich für die Webseite der deutschen Vanity Fair verfasst, macht sich der Schriftsteller („Irre“,„Rave“, „Dekonspiratione“) Gedanken  über die Debattenkultur: „Die Regeln des Diskurses fortschrittlicher Kollektive“, schrieb Goetz am Dienstag,  „sollten deppenoffener verfasst sein. Falsche Gedanken, Begriffe und Argumente sollten weniger stark verachtet sein. Blödsinn kann ja widerlegt werden, muss nicht über gebannte Begriffe ausgeschlossen werden.“
Darüber dachte ich nach, als ich jetzt erwog, eine Fortsetzung der Spuckbeschwerde vom Montag zu schreiben, nachdem mich einige Leser auf eine Beobachtung hingewiesen haben, die ich weitgehend teile, nämlich wer spuckt. Aber ich bin mir nicht sicher, ob das österreichische Kollektiv inkl. mir insgesamt so fortschrittlich ist, dass die Artikulation dieser Beobachtung nicht die ganz normale verantwortungsloser Pauschalierung zur Folge hätte, und das Risiko möchte ich, in aller Feigheit, lieber  nicht eingehen. Das Diskutieren macht die Leute - oder die Debatte  – nicht immer gescheiter, so wie Goetz das vorsieht.
Das bringt mich auf die neue Zib 1.  Die Qualität der Information stelle ich nicht in Frage, aber ihre Präsentation wurde zur Kasperliade. Wozu zwei Sprecher? Wenn einer von  ihnen von diesem Supersize-Gameshow-Pult zur, wie heißt das?, Vidi-Wall geht, meint man, es würde gleich am Glücksrad gedreht. Hält man das Seherkollektiv für minderbemittelt, dass man  ihm die Nachrichten so dudeldei – oder in Goetz  ’ Wort: deppenoffen – präsentieren muss? Brauchts diesen  Technikschnickschnack? Und bin ich von gestern, wenn ich es vorzöge, dass mir ordentliche Beiträge von einem Sprecher kühl anmoderiert werden?
12.04.07

Die Liegenlass-Gesellschaft

| Comments (1) | 04/07 | Kurier-Kolumne

Auf meine Kolumnen gegen herumliegenden Hundekot mailte die p.t. Leserschaft nicht nur Zustimmung. Aber fast: das Pro gegen Contra-Lesermail-Match gewann Pro mit  63:8 eher deutlich. Die Leserinnen und Leser mailten allerdings noch mehr: Zahlreiche Wunschlisten die Sauberkeit Wiens betreffen, die sich alle nicht gegen die MA 46 richteten, sondern gegen  Unarten der Wiener.
Unangefochtener Platz 1 unter den lesererzürnenden Untugenden: auf den Boden spucken. Während die Organisatoren der Pekinger Sommerspiele 2008 gerade intensiv versuchen, den Chinesen abzugewöhnen, auf den Boden zu schlatzen, wo sie gehen und stehen, scheint das öffentliche Absondern von Speichelflüssigkeit hierzulande  ein Revival zu erleben. Frauen und Männer (meistens: Männer) feuern ihre Spucke gegen den Erdmittelpunkt, egal, was zwischen ihnen und diesem gerade liegen mag: Gehwege, U-Bahnsteige, Bim–Stationen, Stiegenhäuser.  Die Leserschaft verlangt die  sofortige Abkehr von dieser Unsitte; ich schließe mich an: Wenn Sie nicht gerade ein Instekt inhaliert haben, lassen Sie die eklige Spuckerei.
Platz 2: Dass die Wegwerf-Gesellschaft  zur Liegenlass-Gesellschaft mutiert. Jeder lässt überall seinen Müll fallen: in der U-Bahn, auf Bänken, im Park, auf der Straße. Die Liegewiese jenes  Freibades, das ich seit Jahren besuche, sah letzten Sommer abends jeweils aus wie das Gelände eines dreitägigen Rock-Festivals am Sonntagabend: komplett zugemüllt. Liegt vielleicht auch daran, dass uns die Industrie ständig überall umsonst was (dazu) gibt, was wir nicht bestellt haben: Gratiszeitungen, Gratispräsente, Gratisverpackung. Nicht gewollt, nicht bezahlt, nicht verantwortlich... lassen wirs liegen, ist ja egal.
Ist es aber  eben nicht. Und die Liste wird fortgesetzt.
11.04.07

Das Leben der Unteren

| Comments (3) | 04/07 | Falter-Kolumne

Drei Jahre wohnen wir jetzt in dieser Wohnung, sechs Mal hatten die Nachbarn das Wasser in der Decke. Jedesmal, wenn bei uns ein Abfluss gereinigt wird, klingelt es anderntags an unserer Wohnungstür, vor der dann die Nachbarin aus dem vierten Stock steht und sagt, Entschuldigung, sie stört uns ungern, aber es tropft ihr wieder von der Decke, haben wir vielleicht? Ja, wir haben, beziehungsweise nein, wir haben nicht, Fritz Schiller hat, der Installateur mit den Strähnchen. Denn wir greifen hier schon lang kein Rohr mehr an, wenn etwas mit einem Rohr ist, rufen wie die Hausverwaltung an, die schickt den Schiller, der schaut und dann wo stemmen lässt und die viel zu dünnen Rohre richtet, die ein Vormieter, der dafür kein Talent hatte, selbst in Wände und Böden verlegt hatten. Was auch die merkwürdige Terrassierung unserer Wohnung erklärt.
  Nachdem letztes Mal das Küchenabwasser in der Badewanne stand, kam der Schiller und machte mit Druckluft etwas, das dazu führte, dass das Smega, das innen in so einem Abflußrohr pickt, an der frischgestrichenen Decke von dem neuen Badezimmer landete, das wir bekamen, nachdem der Schiller auf der Suche nach einem Leck das alte ungefähr zur Hälfte weggespitzt hatte. Während ich den Dreck ... weiter lesen ...
09.04.07

Tour de Ringradweg

| Comments (0) | 04/07 | Kurier-Kolumne

Unvorsichtigerweise prahlte ich hier im Herbst  einmal damit, was für eine brave, klimaschonende Radfahrerin ich doch sei, die sich leider regelmäßig über Autofahrer-Rücksichtslosigkeiten ärgern müsse. Worauf ich korbweise Leserpost erhielt, deren geringster Teil  von  applaudierenden Umweltschonern verfasst war.  Nachdem ich alles gelesen hatte, fühlte ich mich wie ein  neuer Mensch: Wie militante Außenseiterin, ja: eine gewaltbereite Minderheit unter Terrorismusverdacht.
Denn Ärger über Autofahrer, las ich, sei ein hochtouriger Motor für Tätlichkeiten gegen das Automobil, und die so viel wie ein Angriff auf Leib und Leben, denn: Das Auto ist ja nicht nur   Fortbewegungsmittel – es ist ein Symbol der Bewegungsfreiheit, ja: der Freiheit an sich! Ein Angriff auf diese Freiheit, und sei er auch rein verbaler Natur, muss also als Angriff auf das unser  Gesellschaftsprinzip u.s.w! Ketzerei allemal. Über meine Fortbewegungsmodalitäten schwieg ich seither.
Nun aber gestehe ich erneut: Ich fahre Rad! Täglich! Denn ich weiß jetzt  einen Minister an meiner offenen Pedalistenflanke: Umweltminister Josef Pröll ordnete kürzlich an, die Presse zu informieren; er wünsche  Rad zu fahren. Oho! Aha! Ein Raunen ging durch die Redaktionsstuben, und alle Fotografen eilten sogleich zum Ring, um am Ringradweg dem Minister zu lauern.  Und, pardauz!, da kam  er angeradelt und pedalte, ohne Pause und ohne einen einzigen Tropfen Transpiration, den ganzen  Weg von der Alma Mater bis zur Urania. Und wer wollte, konnte  hinter ihm in flammenden Lettern die Worte „Folget mir! Ich will euch  Vorbild sein!“ am Horizont erglühen sehen.
Seither pedale auch ich wieder stolz und erhobenen Hauptes durch die  schöne Wienerstadt.
08.04.07

Ruinös kommuniziert

| Comments (0) | 04/07 | Kurier-Kolumne

Wenn drei Viertel  der Bevölkerung eine Sache nicht wollen: Soll man sich dann dem Wunsch dieser drei Viertel entsprechen ? Oder soll man die drei Viertel von der Sache überzeugen? Soll man versuchen, ihr die Notwendigkeit gesellschaftlichen Wandels zu vermitteln? Ich würde meinen: Kommt auf die Sache an. Aber wenn sie es, wie die Kinderbetreuung, Wert ist: nein, ja, ja.
Warum ist es den Regierungen der letzten 35 Jahre (und die meisten davon waren sozialdemokratisch geprägt) nicht gelungen, die Bevölkerung davon zu überzeugen, dass die Berufstätigkeit der Mütter den Kindern nicht schaden muss, dass ausreichende Betreuungsangebote notwendig sind? Vielleicht, weil man es halbherzig tat, oder weil Kinderbetreuung in der Sozialdemokratie stets beim Frauenministerium resortiert. Und Frauenministerin heißt: geht Männer nix an.
Die Meinung der Männer ist sicher mit ein Grund dafür, dass sich in der Studie der  Instituts für Familienforschung 43 Prozent der Frauen  gegen die Fremdbetreuung Unter-Dreijähriger aussprachen. So gesehen  könnte die SPÖ  allmählich zugeben, dass es falsch war, Kinderbetreuung  jahrzehntelang zur Frauensache zu machen. Das Studienergebnis ist auf jeden Fall ein Beispiel-Klassiker dafür, was passiert, wenn die Politik wichtige Anliegen zu wenig oder falsch kommuniziert.
Apropos mies kommuniziert: Verstörte JVPler mailen mir, bei dem vorgestern hier erwähnten Jugendabend in Markt Piesting gebe es selbstverständlich nur Antialkoholisches! Auch die Cocktails: total alkfrei!! Liebe JVPler, die Einladung vermittelte exakt das Gegenteil. Aber  ich stelle die Sache gerne richtig: Es liegt mir fern, ein gutes Anliegen zu bestrafen, weil es ruinös kommuniziert wurde. Das macht, s.o., eh der Wähler.
06.04.07

Kiosk

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06.04.07

Exklusiv für 13-bis 24jährige

| Comments (1) | 04/07 | Kurier-Kolumne

Die Gesundheitsministerin sage, so war dieser Tage häufig zu lesen, dem jugendlichen Kampftrinken den Kampf an. Putziges Wortspiel, das man natürlich gerne in Bilder umgesetzt sehen möchte.
Welche Waffen wird Andrea Kdolsky  dabei einsetzen? Wird sie, ähnlich wie bei ihrem Olla-Aktionismus, ein Schnapsglas über jeden Finger stülpen und sich dabei fotografieren lassen, wie sie diese Insignien der Trunksucht  zerschmettert? Wird sie in Lokale mit jugendgefährdenden Billigschnaps-Angeboten gehen und  den Wirten ihren Fusel ins Gesicht schütten oder sie ihn gar selber saufen lassen?
Oder geht sie am 13. April nach Markt Piesting in Niederösterreich ins Cafe Lehn auf die Party der JVP und des NÖAAB und löst dort ihren „Getränke-Bon für einen Cocktail“ ein, den man aus der Einladung ausschneiden kann? Wenn sie den vertrunken hat, kann sie weitere „Getränke um Euro 1,-“  konsumieren: falls sie nicht weiß, welche, hilft ihr ein kleines Foto, das drei Gläser zeigt, eins mit was rotem, fruchtigem, eins das ausschaut wie ein Mojito, bei dem man  bei der Minze gespart hat, und eins, das stark einer Margarita ähnelt.  Aber, halt, nein: Die Ministerin kriegt gar nichts, denn sie ist für die JVP/NÖAAB-Sause zu alt. Die  Einladung gilt, wie fett vermerkt wird, „exklusiv für 13- bis 24-Jährige“.
Die Einladung wurde mir von der Mutter eines 13-Jährigen gemailt, der den Zettel nach Haus gebracht hat. Sie sei, schrieb die Frau, höchst irritiert davon, dass „eine Partei bereits 13-Jährige zu Saufgelagen einlädt“. Der Sohn jedenfalls habe die Einladung mit den Worten weggeschmissen, er fühle sich „zu jung für sowas“. Kluger Kerl. Wenn jetzt nur auch  noch die JVP so gescheit würde: Vielleicht hilft ihr die Gesundheitsministerin  mit einer putzigen Aufklärungskampagne dabei.
05.04.07

Nur nicht nachgeben

| Comments (0) | 04/07 | Kurier-Kolumne

Es ist natürlich klar, warum der Bund, warum Infrastrukturminister Werner Faymann auf stur schaltet: Wer einmal nachgibt undsoweiter.  Und wer sagt: In Bregenz ist die Situation aber speziell, da muss eine Sonderregelung her, der schafft einen Präzedenzfall. Andererseits: Es nicht zu tun, ist auch verheerend. Im speziellen Fall (und richtig, ich bin gerade in der Gegend) für Bregenz.
Bregenz  ist eine Naturstadt  (der Bodensee, die Berge), eine Kulturstadt (Festspiele, Kunsthalle) und eine Autotransitstadt, und letzteres wollen die Bregenzer, nona, unbedingt ändern. 
Und das könnte man: Das enorme Verkehrsaufkommen in Bregenz entsteht durch die Vignettenpflicht im Pfänderautobahntunnel, der  im Transitverkehr zwischen Deutschland und der Schweiz eine  wichtige Rolle spielt.  Bevor sich die PKW-Fahrer, die die österreichische Autobahn sonst gar nicht benutzen wollen, wegen einer Fahrt von wenigen Kilometern eine Zehn-Tages-Vignette um Euro 7,60 kaufen, weichen sie, logisch, lieber auf die mautfreien Straßen aus, die durch Bregenz und die Umlandgemeinden führen. Während andere Städte mit Citymauten autofrei gemacht werden, lotst man im Ländle die Autos von der Autobahn, durch Bregenz und die Dörfer. Danebener geht’s  kaum.
29.000 Unterschriften wurden dagegen gesammelt, die Vorarlberger Bundesräte schlugen einen Pfändertunnel-Mautbefreiungspilotversuch vor, die Grünen wollen sowieso Roadpricing statt Vignette und der jetzige  Bundeskanzler Gusenbauer zeigte sich vor den  Gemeinderatswahlen 2005 angetan von der Idee einer Tagesvignette, kann sich aber jetzt nicht mehr erinnern. Minister Faymann verspricht: eine zweite Tunnelröhre. Wieder mit Vignettenpflicht. So unlöst man Probleme.
04.04.07

Wir haben noch was vor

| Comments (1) | 04/07 | Falter-Kolumne

Seit sie den Limmatquai für den Autoverkehr gesperrt haben, hat sich das Schanigartenaufkommen in Zürich schlagartig vervielfacht. Wenngleich der Zwinglianer sich ungern bei untätiger Herumsitzerei an der frischen Luft ertappen lässt, das hält der Zwinglianer für eine Sünde, auf die im Zwinglianerpurgatorium verschärftes Aua steht, weshalb in den Zürcher Schanigärten praktisch nur Zürcher mit Migrationshintergrund und Touristen sitzen. Der Zürcher verbirgt eventuelle Fauhlheit hinter Vorhängen und Koniferen. Zum Glück verfügen die meisten meiner Zürcher Freunde über einen Migrationshintergrund oder einen Hang zur Touristerei im Heimatland, denn als ich an einem Donnerstag nachmittag um 16.30 Uhr bei Carmen eintreffe, findet Carmen, dass man zur Feier des Tages jetzt sofort mit einem Wodka Tonic anstoßen müsse, zuerst mit einem steifen, dann mit einem freundlichen, weil wir haben noch was Wichtiges vor. Wir müssen zur Premiere von Haemmerlis Film, und das ist nicht nur wichtig, weil Haemmerli, wie die anhänglicheren unter meinen Leserinnen wissen, mein Freund und Carmens Liebster ist, sondern weil der Film, wie ich anhand des Trailers (www.messiemother.com/film) bereits ahnte und ein paar Stunden später bestätigt bekomme, wirklich, wirklich gut geworden ist. Wirklich gut. 
  Was erst nur als Videodokumentation gedacht war, ist jetzte in Kinofilm mit dem Titel „Sieben Mulden und eine Leiche“ und handelt von Haemmerlis Mutter und wie sie vor zwei Jahren, als Haemmerli eben in aller Form vierzig werden wollte (ich hatte ihm dafür schon einen sehr lauten und dann sehr unpassenden Wiener- ... weiter lesen ...
04.04.07

So ist das bei uns nun mal

| Comments (0) | 04/07 | Kurier-Kolumne

Augenblicklich kann ich gar nicht sagen, was mich mehr aufregt: Erstens die Geschichte von den beiden irrtümlich im Frachtraum einer FedEx-Maschine  eingesperrten französischen Frachtarbeitern, die nach einem unfreiwilligen Flug nach Wien von den Schwechater Kollegen nicht befreit wurden: Nein, die schlugen  die Tür sofort wieder zu und ließen die beiden Franzosen weiter im Frachtraum des Flugzeugs frieren, bis die Polizei sie endlich befreite. Die Namen der beiden Franzosen, Hicham O. und Abdessamad C., lassen vermuten, dass ihre Haut eventuell nicht claudiaschifferweiß war; und ich  bin ziemlich sicher, dass die österreichischen Arbeiter auf der Basis einer offiziellen Dienstanweisung taten, was sie taten:  Nicht schauen, ob die vermeintlichen Flüchtlinge vielleicht  Hilfe nötig haben, ob  sie, wie das nach Flügen in Frachträumen relativ häufig der Fall ist, vielleicht unterkühlt oder ausgetrocknet sind, sondern  ihnen die Tür vor den Nasen zuzuschlagen und abzuwarten. Aber in einem Land, in dem Flüchlinge per se als Kriminelle gelten, die man, straffällig oder nicht, jugendlich  oder erwachsen,  ins Gefängnis sperrt und endlos in Schubhaft hält, braucht man sich nicht wundern, wenn Flughafenarbeiter  angesichts eines in einem Frachtraum gefangenen Menschen als Primär-Impuls nicht helfen wollen, sondern sich und das Land vor dem Eindringling schützen. Es ist beschämend.
Zweitens die vom  KURIER recherchierte Geschichte über die Wiener Wirte, die ungerührt  15jährige  Jugendliche mit Billigschnaps abfüllen; rücksichtslos profitgeil. Die gehören rigoros kontrolliert und, wenn nötig, schikaniert bis zum Konzessionsverlust, das ist meine Meinung. Über die  Gleichgültigkeit der Eltern dieser Kinder rege ich mich dann ein ander  Mal auf.
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